Auf den Spuren des Vaters

Das nördliche Königreich steht unter den Fittichen des Königs Hendrik dem Zweiten. Strenge Sitten herrschen hier und das Volk ist zweitrangig. Hier kann man nur ein schönes Leben führen, wenn man Reichtum und adeliges Blut besitzt.
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Der König ist mit den Dunkelelfen ein Bündnis eingegangen und lässt sie über seine Armee verfügen. Das gesamte Königreich hat sich den Wünschen der Dunkelelfen zu beugen!
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Auf den Spuren des Vaters

Beitrag von Gestalt » Freitag 1. Oktober 2010, 15:45

[Kommen von Königreich Jorsan – Unterwegs nach Eldar]

Der Händler erschrak für einen Moment, doch als Marga ihn in der Sprache der Menschen anredete und dabei beschwichtigend die Hände hob, entspannte er sich. Offenbar handelte es sich bei der Frau um keine Banditin, sondern um eine womöglich neue Kundin. „Holla. Natürlich verkaufe ich Kleidung.“ Er deutete auf seinen Packesel. „Das ist übrigens die neueste Mode im Land.“, erklärte er.
Offenbar war er wirklich darauf aus, seine Waren an den Mann oder wie es jetzt in Margas Situation der Fall war, an die Frau zu bringen. Belenus hielt sich derweil im Hintergrund und beobachtete die Szene.
Im Moment versuchte er so unauffällig wie möglich zu erscheinen. Auch wenn keine unmittelbare Gefahr bestand. Aber hier in Grandessa waren die Menschen sehr misstrauisch gegenüber Fremden und wer sich auffällig oder gar seltsam verhielt, wurde eingekerkert. So funktionierte das eben in diesem Königreich. Hin und wieder marschierten einzelne Soldaten an ihnen vorbei, doch sie beachteten die Handelnden nicht. Es gab in ihren Augen nichts Verdächtiges.

Dann zeigte der Mann Marga seine Kleidungsstücke, in allen möglichen Farben. Doch da die Frau nur eine Hose und einen Gürtel kaufen wollte, konnte man die Auswahl deutlich eingrenzen. Doch das hinderte den Mann nicht, seine anderen Waren anzupreisen. Eine Weile bemerkte er aber, dass sie sich nicht umstimmen lassen würde. Also beließ er es vorerst dabei.

Sie kaufte einen Gürtel und eine gemütlich aussehende Hose. Zumindest jetzt könnte sie etwas bequemer reiten.
Wenn sie aufsehen würde, könnte sie eine kleine Gruppe von Leuten erspähen, etwa ein halbes Dutzend, die in ihre Richtung kamen. Ein geübtes Auge könnte ausmachen, dass es sich bei diesen Leuten um keine Menschen handelte. Alle waren in Rüstungen aus schwarzem Stahl gehüllt auf denen das Zeichen Morgerias prangte. Dunkelelfen! Belenus geriet etwas in Panik und auch der Händler hielt kurz den Atem an. Schließlich war Belenus als Waldelf bei eben diesem Pack nicht gerade gern gesehen. Leider schränkte die immer noch bewusstlose Laiya seine Bewegungen stark ein.

Doch zu seinem und auch zu Margas Glück stampften die Soldaten tumb an ihnen vorbei, ohne sie zu beachten. Anscheinend waren sie gerade in ein Gespräch vertieft, ein Gespräch, dass in einer seltsamen Sprache geführt wurde. Aber was es auch war, es konnte nichts erfreuliches sein. Zumindest nichts Erfreuliches für andere Völker.

Als sie endlich außer Hörweite waren, entspannten sich der Elf und auch der Mensch. Dann sprach der Händler: „Ihr habt ein paar Fragen? Soll ich etwas über das Land hier erzählen? Oder ist es etwas anderes?“

[Es tut mir leid, dass es so lange gedauert hat, aber ich musste erst was Passendes finden. Also nichts für ungut.]
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Re: Auf den Spuren des Vaters

Beitrag von Marga » Freitag 1. Oktober 2010, 18:07

Der Händler verstand, dass Margas Absichten nicht kriminell waren und er verscheuchte sie auch nicht, weil sie leicht grünliche Haut hatte und ab und an Probleme beim Sprechen hatte. Entweder er erkannte nicht, dass sie orkischer Abstammung war oder er kümmerte sich nicht darum, denn „Geld ist Geld, egal aus wessen Hand es stammt“ – wie ihr Ziehvater immer zu sagen pflegte.

Marga blickte auf den Esel, während der Händler die Packtaschen auf dessen Rücken öffnete und Kleider, Röcke und Blusen hervorzog, um sie Marga zu zeigen, sie hochzuhalten und ihr Komplimente zu machen, wie schön dieses Blau zu ihren Augen und jenes Braun zu ihren Haaren passte, während die Halborkin wie hypnotisiert in die Augen des Packtiers schaute, das eine stoische Ruhe ausstrahlte, während sein Mensch wie verrückt Dinge anwarb, die Marga nicht interessierten.

Sie hob erneut die Hände, diesmal aber, als wäre sie die Überfallene: “Nein, nein, nix so viel, will nur Hose und Gürtel, für Reiten.“, erklärte sie. Der Händler verzog die Miene, denn bei derartigen Bedürfnissen konnte er nicht viel verdienen. Aber Kleinvieh machte bekanntlich auch Mist, also zeigte er der Halborkin Beinkleider, edle und weniger edle und etwas gereizt blickte sie auf die dargestellten, engen Stücke. Sie war doch kein Püppchen mit dünnen Beinchen und bevor sich der Händler versah, angelte Marga selbst aus der offenen Tasche eine robuste Leinenhose für Männer mit einem passenden, etwas verschlissenen Ledergürtel. Sie musterte das Stück: Es würde passen, hatte keine Löcher und sie konnte keine Flöhe entdecken. “Die würden es tun.“, erklärte sie ernst.

Es folgte die uralte Tradition des Handels, dass erst gefeilscht wurde. Marga blieb hartnäckig, ohne den Händler oder dessen Ware schlecht zu machen, der Händler pochte beharrlich auf seine Preisvorstellung, bis sie schließlich auf einen gemeinsamen Nenner kamen: 15 Fuchsmünzen, kein Rückgaberecht.
Der Handel wurde mit Handschlag besiegelt, Marga entnahm ihrem Geldbeutel so viele Münzen wie drei Hände Finger hatten und bekam dafür das Kleidungsstück. Kurz verließ sie den Weg, um die Hose ungesehen anzuziehen, aber sie wies den Händler an, zu warten. Normalerweise trug die Schülerin keine Hosen, aber es stellte sich als bequemes und wärmendes Kleidungsstück heraus. Den Gürtel schnallte sie auch um und ließ dann ihr Kleid darüber gleiten.

Gerade trat sie zurück auf den Weg, als sie eine Patrouille entdeckte, aber jetzt war es zu spät… Sie sahen nicht so erschöpft und so bedrückt aus wie die Grandessanischen Soldaten, sondern sie marschierten aufrecht und miteinander schwatzend über das Pflaster. Es war zu spät, sich aus dem Staub zu machen, ohne Aufmerksamkeit zu erregen, also reagierten Marga, der Händler und Belenus, indem sie ihre Reittiere von der Straße zerrten, um der Gruppe Durchgang zu gewähren und nicht negativ aufzufallen.
Die Soldaten trugen schwarze, vollständige Plattenrüstungen, mit einem Zeichen, das Marga nicht kannte, diese Männer hatten außerdem ihre Gesichter dunkel angestrichen. Belenus machte besonders große Augen und stellte sich schützend vor seine schlafende Geliebte.

Als sie vorbei und schon ein gutes Stück weiter waren, fragte sie neugierig: “Wer die waren denn? Gehören zu Grandessisch Truppen?“ Dann kam sie auch wieder zurück auf die Fragen, die sie anfangs stellen wollte. Sie wusste nicht, ob Belenus die Menschensprache verstand, aber jetzt war es ihr auch egal. “Vor… etwa zwanzig Jahren, gaben es Orks in diesem Land? Und heute?“

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Re: Auf den Spuren des Vaters

Beitrag von Erzähler » Dienstag 5. Oktober 2010, 17:58

Als diese dunkle Kriegertruppe abgezogen war, beruhigten sich alle Anwesenden, mit Ausnahme von Laiya, die von alledem nichts mitbekommen hatte. Der Händler antwortete auf ihre Frage nur mit einem knappen „Dunkelelfen“. Und dann: „Nein, sie gehören nicht zu den Soldaten des Landes. Es sind…Bündnistruppen.“
Bei dem letzten Wort zögerte er kurz, war er sich doch bewusst, dass die Dunkelelfen sich hier ungestraft bewegen konnten, da der Dunkle Herrscher und der König von Grandessa einen Pakt geschlossen hatten. Und die morgerianischen Krieger konnten jeden ungestraft töten, der ihnen keinen Respekt entgegenbrachte.

Doch damit konnte sie nicht wirklich etwas anfangen, also sprang kurzerhand Belenus ein. „Dunkelelfen sind das Böse Celcias. Sie hassen andere Elfenvölker, zumindest die, die den Waldelfen angehören, wie ich. Sie sind immer darauf aus, die freien Völker dieses Landes zu unterjochen und auszubeuten“, sagte er ernst, aber immerhin leise genug, sodass es keine Aufmerksamkeit erregte. Diese Erklärung war zumindest etwas präziser.
Und unerfreulich noch dazu. Zumindest musste man kein großer Denker sein, um zu begreifen, was die Belenus antun könnten. Irgendwie hatte das Parallelen zu Argor, Laiyas Bruder. Auch er war ja als überaus grausam bekannt. Irgendwie konnte man es der Eiselfe nachsehen, dass sie von Zuhause abgehauen war.

Dann, als es zu Margas zweiter Frage ging, überlegte der Mann kurz. „Lasst mich kurz nachdenken…Orks? Hmm…vor zwanzig Jahren?“ Er überlegte weiter. Dann fiel es ihm wie Schuppen von den Augen. „Natürlich! In einem Wald nördlich von hier fanden immer große Treibjagden statt. Da hat man Orks durch den Wald gejagt und anschließend getötet. Doch einer der Orks entkam letztendlich und konnte den Sperrgürtel durchbrechen. Er verschwand im Hinterland. Vielleicht wurde er dort von den Wachen getötet oder starb durch die Hand eines anderen. Mehr weiß ich darüber auch nicht.“ Dann schwieg er kurz, nur um dann auf die letzte Frage zu antworten.
„Heute gibt es hier so gut wie keine Orks mehr, jedoch vermehrt Dunkelelfen, die überall im Land patrouillieren. Ab und zu wird noch einer dieser „Bestien“ gesehen, jedoch nie ohne dunkelelfische Begleiter.“
Das Wort Bestien hatte er eher vorsichtig ausgesprochen. Dem Anschein nach hatte er Angst vor ihnen. Schließlich wird ihnen die eine oder andere Gruselgeschichte angedichtet.

Das war zwar ein guter Hinweis, erklärte aber noch nicht, wer nun jetzt Margas leiblicher Vater gewesen war. Vielleicht konnte sie ihm ja mehr entlocken, als er zugeben wollte. Schließlich war ja von Orks die Rede. Niemand redete gern über Orks. Für die meisten Menschen waren sie der personifizierte Alptraum. Doch dagegen sah Marga noch relativ harmlos aus. Harmlos in dem Sinne, da bei ihr der Großteil ihrer Menschlichen Hälfte ihre Erscheinung dominierte und sie so nicht allzu leicht als Ork-Halbblut erkannt wurde. Doch das hatte die Wachen ihres Heimatdorfes nicht davon abgehalten, sie trotzdem zu verspotten.

Aber entweder war es dem Händler nicht aufgefallen oder es hatte ihn überhaupt nicht interessiert. Schließlich war Marga ja eine Kundin, wenn sie auch nur eine Hose und einen Gürtel gekauft hatte.

Noch dachten sie nicht, weiterzuziehen, denn der Händler hatte bestimmt noch mehr Neuigkeiten zu erzählen.
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Re: Auf den Spuren des Vaters

Beitrag von Marga » Dienstag 5. Oktober 2010, 21:29

Unter Dunkelelfen konnte sich Marga nur schwerlich etwas vorstellen. Jetzt gab es schon so viele verschiedene Elfenarten. Da blickte doch keiner mehr durch, wer was war und wer wen jetzt hasste. Nur, dass Dunkelelfen dunkle Hautfarbe hatten, ohne sich dafür die Gesichter anzumalen, das verstand Marga.

Das Wort Bündnistruppen hörte sich ein kleines bisschen schlecht an. Bündnis klang nach Politik und Adel. Auch wie der Händler es aussprach, verhieß nichts Gutes. Und wenn Grandessa sich mit den Bösen dieser Welt herumtrieb, dann hörte sich das beunruhigend an. Nicht dass sich Marga selbst zu den Guten dieser Welt einreihte, aber Sklaverei und Unterdrückung, das ging definitiv zu weit.
Sie war etwas verwundert, dass Belenus mitten ins Gespräch einstieg. Konnte er Garmisch sprechen oder hatte er nur das eine Wort herausgehört? Es war seltsam, nicht zu wissen, ob er alles verstand, was sie sagten oder nicht. Garmisch war die Sprache der Menschen, aber wer konnte schon sagen, dass nicht auch Nichtmenschen sie verstanden?

Ungeduldig wartete die Halborkin auf die Antwort des Händlers. Anscheinend erinnerte er sich an etwas, aber er ließ sich damit gehörig viel Zeit. Er erzählte schließlich von Treibjagden in einem Wald nördlich von ihnen. Während er da redete, klappte Margas Kiefer nach unten. Treibjagden, Treibjagden, nicht auf Tiere, sondern auf Orks. “Jagd, auf Orks.“, stammelte sie fassungslos. Einige Hirnwindungen kapitulierten in diesem Augenblick, die Welt stand Kopf. Sie sah nur den Händler, der davon redete, als würde er einen Vortrag über die Kartoffelpreise zu jener Zeit halten.
Sie blickte zu Belenus, dann zum Händler. Ihre Mimik blieb erst steif, dann wandelte sie sich in eine Fratze ohnmächtiger Wut. „Auf Orks…“ Sie war zur Hälfte ein solcher. Zur verdammten Hälfte. Sie hatte noch nie einen echten Ork gesehen, aber sie kannte sich selbst und sie kannte Alex, den kleinen, aufgeweckten Jungen und hatte daraus geschlossen, wie ein Ork sein musste. Und ein Ork konnte so einiges sein, aber kein Tier, das man mal einfach durch einen Wald hetzen konnte.
Allein der Gedanke daran bereitete ihr Übelkeit und Kopfschmerzen. Beleidigungen waren eines, Drohungen auch, Hass, böse Blicke ebenso. Selbst das, was ihre Großmutter getan hatte, das mit dem Gift, verblasste bei der bloßen Vorstellung…

Sie ballte die Hände zur Faust, bis ihre Knöchel weiß waren und ihre Fingernägel rote Striemen der Handfläche hinterließen. Was vom Händler folgte, nahm sie überhaupt nicht mehr wahr. Sie drehte sich um und sie starrte wütend in die Leere. Ihre Augen waren zusammengekniffen und ein paar einzelne Tränen wurden vergossen. Es war nicht ersichtlich, ob sie Tränen der Trauer, Wut oder Verzweiflung waren. Die Zähne biss sie zusammen und sie hob die Faust aufgebracht. Sie wurde von einem unbändigen Zorn gepackt und der letzte Rest Vernunft suchte nach einem möglichen Ziel. Händler? Nein, der würde Ärger machen. Belenus, Laiya waren Freunde. Die Pferde Reittiere.
Sie stapfte ins Dickicht, solange sie sich noch beherrschen konnte. Es folgte ein gewaltiger Aufschrei, der einen Haufen Vögel aus den Bäumen scheuchte. Es war kein Wort, sondern einfach nur ein gewaltiger Laut, der eine Menge Gewalt in sich trug. Als die Schülerin etwa 100 Herzschläge später wieder auf den Weg kam, hatte ihr Gesicht grimmige Züge, aber wenigstens war es nicht mehr Ärger, der ihren Geist trieb.

„Wenn noch fragen willst,“, erklärte sie Belenus eiskalt, „dann mach’s.“ Sie selbst kletterte schon auf ihr Pferd, diesmal in der Haltung, wie es vorgesehen war, denn jetzt hatte sie ja ein Paar Hosen, das ihre Beine bedeckte. Unzufrieden blickte sie nach Norden.
Irgendwo war da ein Wald, ein Wald, in dem gewaltiges Unrecht geschehen war. Wollte sie da wirklich hin?

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Re: Auf den Spuren des Vaters

Beitrag von Erzähler » Montag 11. Oktober 2010, 18:07

Mit so einer Reaktion hatte niemand der Anwesenden gerechnet. Laiya sowieso nicht, die war ja immer noch in dieser seltsamen Starre, aber Belenus und dem Händler sah man den Schrecken an. „Hat sie das öfter?“, flüsterte er dem Elfen zu. Dieser schüttelte den Kopf. Bisher hatte er sie noch nie so...aggressiv erlebt. Immer eher schweigsam, aber dennoch recht ernst.
Dann schrie sie ihren Zorn und all ihre Wut heraus, so laut, dass selbst die Vögel Reißaus genommen hatten. Und obwohl der Schrei so laut gewesen war, dass er sogar Tote hätte aufwecken können, zeigte die Eiselfin keine Regung. Belenus zuckte zusammen, genau wie der Mann. Auch wenn man es sich nicht eingestehen wollte, so klang dieser Schrei, vermischt mit Wut und Zorn, doch wie der eines Ork-Kriegers, der in die Schlacht stürmte.

Als Marga kurz darauf aus dem Gebüsch, in das sie voller Wut und Zorn gestürmt war, wieder hervorkam, hatte ihr Gesicht immer noch den wütenden Ausdruck, doch immerhin ließ sie sich nicht zu Tätlichkeiten hinreißen. Immerhin waren sie nicht außer Gefahr. Dunkelelfen oder grandessanische Soldaten konnten überall lauern.
„Wenn noch fragen willst, dann mach’s“, sagte sie mürrisch, während sie auf ihr Pferd stieg. Alle Anwesenden, außer Marga selbst und die reglose Laiya konnten nicht wirklich registrieren, warum sie eine solche Wut entwickelt hatte. Doch in Belenus’ Kopf keimte eine kleine, aber feine Erkenntnis. Doch er sagte kein Wort darüber.

Dann fragte er den Händler: „Wo ist dieser Wald genau?“ Er sah kurz zu Marga hinüber. Der Mann deutete die Straße entlang, also den Weg, den sie eh noch zurücklegen mussten. „Dort entlang. Immer der Straße folgen, bis ihr zu einem Wegweiser kommt. Dann folgt dem linken Weg, er führt zu dem Wäldchen, in dem sie früher die Orks gejagt haben.“
Seine Stimme zitterte leicht, fürchtete er doch einen erneuten Wutausbruch von Seiten Margas. Doch im Moment blieb die Schülerin friedlich, auch wenn ihre Gesichtszüge eine andere Sprache sprachen. Man konnte ihr deutlich ansehen, dass sie diese Geschichte sehr mitgenommen hatte. Auch wenn sie nur zur Hälfte ein Ork war, doch spürte sie den Schmerz, den diese Erzählung verursacht hatte, als wäre sie ein ganzer. Sie war immer noch vollkommen fassungslos darüber, wie jemand nur daran denken konnte so eine Gräueltat auch nur zu erlauben.

„Ähm, vielen Dank. Ich denke, wir gehen jetzt“, sagte Belenus in hektischem, aber freundlichen Tonfall und schwang sich ebenfalls auf sein Pferd. Dann ritten sie davon. Der Händler sah ihnen verwirrt nach. „Komische Truppe…das sind seltsame Zeiten…“ Dann zog auch er wieder seiner Wege.

Ein ganzes Stück weiter fragte Belenus: „Sollen wir uns den Wald einmal ansehen? Aber nur, wenn du es auch wirklich möchtest.“ Seine Stimme war fast schon ein Flüstern, so sehr hatte ihn ihr Wutausbruch erschreckt.
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Re: Auf den Spuren des Vaters

Beitrag von Marga » Mittwoch 13. Oktober 2010, 20:33

Margas Puls raste und ein blasser roter Schleier lag über der Welt. Ihre Arme waren verkrampft, aber trotzdem schwang sie sich problemlos aufs Pferd. Sie hatte es geschafft mit diesem Schrei ihr Blut, das kurz vorm Kochen stand, abzukühlen – sprichwörtlich Dampf abzulassen, aber es brodelte immer noch leise vor sich hin. Sie wippte ungeduldig vor und zurück und sie hörte Belenus nach dem Weg fragen.

Sie hörte sich die Wegbeschreibung an und knirschte verächtlich mit den Zähnen, mit ihren spitzen, raubtierhaften Zähnen, als das Wort „jagen“ fiel. Sie schaffte es, ruhig zu bleiben, auch wenn ein weiterer Ausbruch drohte. Die sonst so kalte Marga war im Moment ein Vulkan, unter dessen dünner Oberfläche es gefährlich rumorte. In ihren Augen war ein irrer Wahn zu sehen, der erkennen ließ, dass jede Kleinigkeit eine gewaltige Eruption nach sich ziehen konnte.
Das Pferd spürte die Wallung seiner Reiterin und wurde stapfte selbst nervös vor sich hin. Immerhin hatte es genauso wie der Mensch und der Elf den Aufschrei gehört und war nun ratlos.
Kaum hatte sich Belenus vom Händler verabschiedet und auf sein Pferd geschwungen – diesmal hatte Marga anderes im Kopf und der Elf musste sich selbst darum kümmern, dass Laiya nichts passierte – schon brauste Marga vor.
De Elf hatte es schwer, sie wieder einzuholen. Im Geist der Halborkin ging so viel vor, viel zu viel, deshalb, wollte sie schnell reiten. Schnell, alle Unsicherheiten hinter sich lassend. Der normale Reitersitz, breitbeinig auf dem Sattel war bequemer und praktischer, stellte sie fest.
Die Halborkin war keine geübte Reiterin, aber sie klammerte sich so fest ins Zaumzeug, dass sie nicht herunterfallen konnte, als das Pferd raste.

Belenus konnte schließlich seine Frage stellen, aber Marga antwortete nicht darauf. Sie hatte die Frage gehört, aber ihr ging noch eine Menge hinter der Stirn vor, als dass sie jetzt eine Entscheidung treffen konnte.
Einige stille Minuten vergingen und Marga öffnete den Mund, ihre Lippen blutleer und spitz. Ihre Stimme war zischend und bedrohlich, als sie fragte: „Du weist viel über Völker.“ Eine kurze Pause folgte. „Erzähl mir von… Orks. Wer sein sie, wo kommen her, was tun?“
Es war eigentlich alles so klar. Belenus wusste über alle Elfenrassen bescheid, über die Mentalitäten von Jorsanern und Grandessanern. Da konnte er bestimmt auch etwas über die Rasse der Orks sagen.

Einiges hatte sie schon in ihrem Heimatdorf erfahren, aber sie war einfach nie darauf angesprungen. Es waren Lügengeschichten und Märchen und die Leute behaupteten so etwas nur, um sie schlecht zu machen. Der Waldelf aber hatte Toleranz gezeigt und ihm vertraute sie.

Aber konnte Belenus wirklich über die wahre Natur der Orks berichten, wenn Marga gerade kurz vor einem Wutausbruch stand?

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Re: Auf den Spuren des Vaters

Beitrag von Erzähler » Sonntag 17. Oktober 2010, 22:29

Margas Zustand konnte im Moment nur in Rasend definiert werden. Jede Pore ihres Körpers brannte vor Zorn und Wut. Selbst die kleinste Nichtigkeit könnte diesen Schmelztiegel zum ausbrechen bringen.

„Du weist viel über Völker“, sagte sie langsam, um nicht die Beherrschung zu verlieren. Man konnte in ihrer Stimme ein deutliches Zischen erkennen. Der Elf nickte. „Ich habe ein paar Berichte und einige Bücher darüber gelesen. Als Lichtmagier und Heiler ist es meine Aufgabe, das körperliche Leid aller Wesen zu lindern. Dazu muss ich über jedes Volk wenigstens etwas wissen.“ Marga sagte nach einer kurzen Pause: „Erzähl mir von… Orks. Wer sein sie, wo kommen her, was tun?“ Der Elf dachte nach.
Dann: „Ich kenne nicht alles über Orks, nur was in den Berichten steht. Leider sind diese Dinge meist negativ, oftmals von Menschen geschrieben, die keine Ahnung von den Orks und ihrer Kultur haben.“
Es folgte eine kurze Pause. Er versuchte so ruhig wie möglich zu reden. „Aber ich habe auch einige positive Dinge in Erfahrung bringen können. Zum Beispiel, dass sie ehrenhafte Krieger sind und für ihren Klan sterben würden. Über ihren Wohnort kann ich nicht viel sagen, der liegt irgendwo weit im Norden.“ Mit weit im Norden war nicht der Urwald gemeint, sondern die Länder, die dahinter lagen. Weit im Norden, hinter dem Drachengebirge, dort war ihre Heimat.

„Das typische Merkmal eines Orks sind seine hauerartigen Reißzähne. Auch ihre grüne Hautfarbe ist ein gutes Erkennungszeichen. Sie sind größer und stärker als Menschen und deutlich wilder, wenn man sie an ihren Verhaltensweisen beurteilt. Aber das kommt auf die Sichtweise an. Sie sind begnadete Krieger, aber auch als Leibwächter sind sie mehr als beeindruckend“, fuhr Belenus fort.
Das Wort ‚beeindruckend’ sprach Belenus mit Ehrfurcht aus. Schließlich gab es mit einem Ork an seiner Seite kein Problem, das nicht gelöst werden konnte. Er hatte einmal einen Ork gesehen, mit Sicherheitsabstand natürlich, denn Orks waren in Gemütslagen nicht ganz so gefestigt wie zum Beispiel ein Adliger. Sie konnten von einer Sekunde zur anderen wild und dann auch sehr handgreiflich werden. Deshalb hatte man ihnen den Titel als unberechenbare Schlächter angeheftet.
Zumindest bei den Menschen trugen sie oftmals diese Bezeichnung.
Und es war eine ziemlich unfaire. Aber die Menschen hatten Angst vor ihnen und sie wussten sich nicht anders zu helfen.

Sie folgten der Straße weiter, genau wie der Händler es Belenus erklärt hatte. Dann kam der Wegweiser in Sicht. „Willst du zu dem Wald? Dann müssen wir uns Links halten.“ Er deutete auf den Wegweiser. „Vielleicht, wenn wir Glück haben, finden wir ja eine Spur von Orks, wenn es dich beruhigt“, schlug er unsicher vor. Vielleicht könnte diese Aussicht Marga wieder freundlicher stimmen.

Dann schwieg er. Er wollte sie nicht weiter verärgern. auch wenn Marga wusste, dass er ein Freund war, konnte niemand sagen, ob sie ihm im Zorn nicht doch etwas antun könnte.
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Re: Auf den Spuren des Vaters

Beitrag von Marga » Montag 18. Oktober 2010, 21:31

Der Atem ging tief, aber unruhig. Die Schülerin zwang sich regelrecht zur Ruhe und dieser Druck zeigte sich auch äußerlich. Die Nägel ihrer Finger, welche sich um das Saumzeug klammerten, waren in ihrer Handfläche vergraben und ihre markanten Augenbrauen zuckten ab und zu – ein unheilsvolles Zeichen.

Marga hörte, dass Belenus sein Wissen über Orks eher aus Berichten als aus Erfahrung bezog und sie wusste, dass Menschen logen, aber würden sie auch wertvolles Papier für Unwahrheiten gebrauchen?
„Krieger…“, wiederholte sie murmelnd. Ja, das konnte passen. Sie war stark und nur schwer aus der Fassung zu bringen. Außerdem klang Krieger nicht so kriecherhaft wie Soldat. Das mit dem Sterben für irgendwelche Sachen klang aber nicht sehr gut. Sie hing nämlich an ihrem Leben, auch wenn es sie nicht davon abhielt, auch mal etwas Gewagtes zu tun. Sie nahm sich vor, in Zukunft aufzupassen, nicht für irgendwelche Klans oder wasauchimmer zu sterben.

Bei der Erwähnung der Reißzähne und der grünen Haut war Marga hellauf, denn das waren Dinge, die sie selbst schon wusste. Gegen ein gutes Gebiss und einen gesunden Grünstich konnte man nichts einwenden.
Krieger und beeindruckende Leibwächter. Zum Glück aller merkte sie nicht, dass Belenus den Umstand vertuschte, dass es keine bedeutenden orkischen Magier, Gelehrten, Händler und Richter gab, sondern nur Orks die besser mit dem Knüppel als mit der Vestand umgingen.

Marga war mit der Darstellung der Orks zufrieden und ihr Gemüt flachte wieder ab. Sie mochte aufbrausend und launisch sein, aber mit der Zeit fand auch sie wieder zu ihrer normalen Gemütszustand zurück.
„Naja, ganz in Ordnung.“, kommentierte sie. „Leute in Jersa sagten mir immer, mein Vorfahren sein wahnige Berserker, Schlächter, Mörder und Verbrecher. Diese Trottel.“

Der Wegweiser tauchte vor ihnen auf und hätte Belenus sie nicht darauf aufmerksam gemacht, wäre sie glatt daran vorbei geritten. Sie blickte nachdenklich darauf und machte erst einmal Halt. Ein Weg führte geradeaus weiter die Hauptstraße entlang, ein anderer, unbefestigter Feldweg zweigte sich ab und führte in den Wald.
Sie fackelte nicht lange und zerrte die Zügel nach links, ritt wortlos in Richtung des Waldes. Nach den ersten Bäumen jedoch brachte sie ihr Pferd zum stehen. Sie sprang ab, band die Zügel ihres Reittieres an einen tief hängenden Ast und machte Anstalten, zu Fuß weiter zu gehen. Vorher drehte sie sich aber noch um und zeigte Belenus den erhobenen Zeigefinger, als wollte sie ihn belehren: „Kommen mir nicht hinterher. Ihr versteckt euch hier vor den düster Elfen. Ich will nicht, dass kommt in meine Quere, wenn…“ Sie suchte nach Worten, um ihre Wut zu umschreiben. „wenn, wenn wieder alles rot wird, klar?“

Mit diesen harschen Worten machte sich die Halborkin auf in den Wald. Sie war wieder zu Fuß unterwegs und trug ihre Tasche auch wieder selbst. Sie wusste, dass das Messer ganz oben, über den anderen Sachen lag, ein schneller Griff und sie hatte es parat. Das sorgte für ein Gefühl der Sicherheit. Denn wer konnte schon sagen, ob es hier immer noch irgendwelche adeligen Schmarotzer oder Söhne von adeligen Schmarotzern gab, die glaubten, dass man sich alles erlauben konnte?
Auf ihrem Weg war sie etwas ziellos. Sie hielt Ausschau, aber Ausschauhalten war schwierig, wenn man sich nicht auf eine Sache konzentrierte. Also suchten ihre Augen nach Personen, nach Gebäuden, nach Knochen und nach Gräbern. Was sie dann genau tun würde, hatte sie bisher nicht berücksichtigt. Aber das würde sich alles schon ergeben.
Immerhin war sie zur Hälfte ein Ork und Orks galten doch gemeinhin als impulsiv.

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Re: Auf den Spuren des Vaters

Beitrag von Erzähler » Donnerstag 21. Oktober 2010, 19:05

Als sie seine Worte hörte, beruhigte sie sich allmählich wieder. Sie dachte darüber nach. Krieger…Sich selbst als Krieger vorzustellen, war für sie schwierig, obwohl sie genug Kraft hätte, um einem Menschen das Rückgrad zu brechen. Aber im Moment hatte sie das eher weniger vor.

Dass Belenus ihr verschwiegen hatte, dass es bei den Orks auch Schamanen und Magier gab, ahnte sie nicht. Offenbar wusste es selbst der Elf nicht so genau, da die meisten menschlichen Berichte von den Orks als rüpelhafte Schläger sprachen und erst gar nichts über Magie verlauten ließen. Wieder einmal ein Beweis für die Inkompetenz und Überheblichkeit des Menschen. Und die Grandessaner waren die Schlimmsten von allen.

Als sie an dem Wegweiser ankamen, ritt Marga instinktiv nach links. Als Belenus ihr folgen wollte, stieg sie ab und gemahnte ihn, anzuhalten. „Kommen mir nicht hinterher. Ihr versteckt euch hier vor den düster Elfen. Ich will nicht, dass kommt in meine Quere, wenn…“ Sie suchte kurz nach den passenden Worten. Dann: „wenn, wenn wieder alles rot wird, klar?“ Ihrem Gesichtsausdruck sah man an, dass sie es ernst meinte. Dem Anschein nach hatte sie in den beiden Elfen Freunde fürs Leben gefunden, die sie um jeden Preis beschützen wollte.
Aber damit war sie nicht auf einen Kriegertod aus, sie hing an ihrem Leben. Belenus entgegnete nichts auf ihre Worte, sondern nickte nur. Vielleicht war es wirklich besser, wenn sie hier auf sie warteten und sich nicht einmischten. Obwohl das in Laiyas Fall nicht wirklich möglich war.

Dann machte sie sich auf den Weg. Sie lief durch den Wald, sich bewusst, dass immer und überall jemand auftauchen konnte. Wichtigtuerische Adlige oder andere, vielleicht sogar Dunkelelfen. Zur Not hatte sie ja ihr Messer ganz nach oben gelegt, sodass sie es im Notfall schneller greifen konnte. Der Wald war groß und auch etwas unübersichtlich, genau wie der Wald, in dem sie den jungen Eiselfen überwältigen konnte. Dieser Wald war jedoch ein wenig wärmer als der andere. Das lag wohl an der Nähe zum Urwald Kapayu. Aber Gebäude oder dergleichen fand sie nicht. Nicht einmal Menschen waren hier. Es war, als würden sie diesen Ort meiden.

Als sie an einem umgestürzten Baum vorbeiging, konnte sie ausgebleichte Knochen erkennen. Der massige Schädel sprang einem sofort ins Auge. Die Überreste eines Orks! Die Knochen lagen in einer eher gekrümmten Position, was darauf hin deutete, dass er im Laufen getötet worden war. Zwei Pfeile, die man in den Überresten finden konnte, waren Indizien genug. Dieser Ork war einen unehrenhaften Tod gestorben.

Aus den Augenwinkeln konnte sie einen Schatten erkennen, der auf sie fiel und eine tiefe, kehlige Stimme fragte mit grauenhaftem Akzent: „Werse du denn?“ Wenn sie jetzt aufschauen würde, würde sie direkt einen großen Ork vor sich stehen sehen, der sie mit einer Mischung kleinen Misstrauens, jedoch auch mit Neugier betrachtete. Es war tatsächlich ein Ork: groß und fast schon furchteinflößend stand er da.
Seine Gesichtsfarbe war ein helles grün, seine Augen waren grau. Die Hauer, der ganze Stolz eines jeden Ork, gaben eben jenem noch eine bedrohliche Note. Zumal allein seine Gestalt ausreichte, um sich Respekt zu verschaffen: groß, wuchtig…eben so, wie Belenus sie beschrieben hatte. Zumindest da hatte der Elf nicht übertrieben. Man konnte aus manchen Texten die Wahrheit herauslesen.
Er trug eine Rüstung aus grobem Stahl und in der Hand hielt er eine grob aussehende Axt. Jedoch nicht, um sie damit anzugreifen, sondern lediglich um sich darauf abzustützen. Im Moment war er eher passiv, eine ungewöhnliche Haltung für einen Ork-Krieger, sagte man ihnen doch eine ungeheure Rauflust nach.
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Re: Auf den Spuren des Vaters

Beitrag von Marga » Donnerstag 21. Oktober 2010, 21:41

Dies war kein fröhlicher Waldspaziergang, sondern ein kleiner Exkurs in Ahnenforschung und außerdem war dies ein trauriger Ort, wenn hier derartiges Unrecht gegen die Orks stattgefunden hatte. Marga verhielt sich also ruhig und ernst – das übliche eigentlich.

Sie schaute sich um und folgte dem Weg, denn sie wollte sich hier nicht verirren. Sie hatte mit Belenus keine Zeit ausgemacht, aber trotzdem könnte er nach ein paar Stunden weiterziehen oder ihr nachfolgen. Oder Laiya wachte auf und hatte das Bedürfnis, ihrer Schülerin diesen Unfug auszutreiben. Oder diese Dunkeltypen fanden sie.
Marga eilte nicht und es dauerte eine Weile, bis sie einen Baumstamm erreichte, der den Weg versperrte. Ob durch Blitz oder durch Holzfälleraxt gefallen, das prüfte die Halborkin nicht. Sie dachte nicht weiter nach, sondern hüpfte über das Hindernis hinweg. Auf der anderen Seite bekam sie auf einmal einen Schrecken.
„Uff!“, entwich ihrem Mund, als sie auf einen blanken Totenschädel blickte. Wäre sie nur ein paar Fußweit weiter rechts über den gefallen Baumstamm gesprungen, dann hätten ihre Füße jetzt den Brustkorb des Toten zermalmt. Das wäre gruselig gewesen und ihre Schuhe hätten Knochenstaub abbekommen.

Sie bückte sich, um den armen, toten Tropf zu inspizieren. Marga hatte keine Hemmungen, den Toten anzugucken. Sie hatte Schlachtungen beigewohnt und tote Tiere unterschieden sich nicht besonders von menschlichen Toten. Außerdem war es nicht schlimm. Er hatte das Stadium der Verwesung schon hinter sich und übrig waren allein die sauberen, blanken Knochen.
Der Mann – sie vermutete, dass es ein Mann war, denn das Becken war klein – hatte zwei Pfeilspitzen mit gesplittertem Schaft im Rücken, also vermutete Marga, dass dies die Todesursache war.

Die Halborkin überblickte noch einmal den Toten, um zu sehen, ob es noch etwas zu holen gab. Aber kein Glänzen und kein uralter Geldbeutel war zu erkennen und sie war böse auf die Menschen, die einem Toten nicht einmal seine Besitztümer lassen konnten.
Ihr kam der Gedanke, dass dies ja nicht immer ein Skelett gewesen war, sondern auch einmal ein lebendiger Ork, also schaute sie sich die Knochen genauer an. Der Mann war groß gewesen und hatte dicke Knochen. Außerdem stellte sie fest, dass der grinsende Totenschädel ein Paar große Zähne besaß. Richtige Hauer, wie bei einem Wildschwein.
Während Marga grübelte, ob der Ork kurz vor seinem Tod glücklich war – das würde erklären, dass der Totenkopf zu grinsen schien – schob sich plötzlich ein bedrohlicher Schatten über sie.

Erschrocken drehte sie sich um und richtete sich auf. Es war eine gewaltige Gestalt und die Schülerin musste einen Schritt nach hinten gehen, um sie in ihrer gesamten Größe ins Blickfeld zu kriegen.
Es war ein großer, muskulöser, grüner Krieger. Einige Windungen ihres Hirnes brauchten erst eine Weile, bis sie ihr mitteilten, dass dies ein Ork sei, so einer wie sie ihn gerade auf dem Boden gesehen hatte, nur viel, viel lebendiger.
„Mich sein Marga.“, kam es automatisch aus ihrem Mund, als das Ungetüm sie ansprach. Sie dachte gar nicht darüber nach, weil ihr Blick von seinem Äußeren gefesselt war. Sie starrte auf diese prächtigen Hauer, während ihre Zunge neidisch über ihre kleinen, spitzen Reißzähne fuhr. Dann diese Rüstung aus robustem Stahl und diese gewaltige Axt. Ihr Messer, das sie bis jetzt auf all ihren Abenteuern begleitet hatte, kam ihr wie ein Zahnstocher dagegen vor.

Dann fasste sie sich wieder und wurde realistisch. „Wer bist du? Haben du Schaufel? Der Tote da gehörn unter Erde.“

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Re: Auf den Spuren des Vaters

Beitrag von Gestalt » Samstag 23. Oktober 2010, 14:40

Der Ork runzelte die Stirn, als sie bereitwillig ihren Namen offenbarte. Noch immer stand er da und musterte sie. Der grünliche Stich ihrer Haut blieb auch ihm nicht verborgen, doch irgendwie konnte er das Gesamtbild noch nicht wirklich einordnen. „Angenehm. Mich sein Orok, Krieger“, sagte er, mit rauem und doch höflichem Akzent. Anscheinend wusste er, wie man sich in gewissen Situationen zu verhalten hatte. Auch eine Sache, die Belenus ihr nicht mitteilen konnte. Wie auch, wenn die meisten Bücher nur aus Lügen und Verleumdung bestanden?

Marga starrte ihrerseits zu dem Ork hinüber. Dieser strahlte eine natürliche Wildheit aus und sie betrachtete neidisch die großen Hauer, die dem Krieger aus dem Mund ragten. Dann zeigte sie auf den Toten, oder besser das, was davon noch übrig war: „Haben du Schaufel? Der Tote da gehörn unter Erde.“ Der Ork sah auf das Skelett des verstorbenen Orks und nickte.

„Du zeigen Respekt vor Verstorbenem, Mar-ga. Du nicht wie alle anderen, die Orok treffen.“ Auch wenn sie vorerst vom seinem Auftauchen überrascht gewesen war, hatte sie nicht wie andere die Flucht ergriffen. Irgendetwas hielt sie hier. Sie selbst konnte auch nicht wirklich sagen, was es war.
Der Ork indessen rührte sich. Er verstaute seine Axt und fing an, mit bloßen Händen das Erdreich aufzureißen. Dem Anschein nach hatte er keine Schaufel oder etwas Derartiges dabei. Vielleicht brauchte er das ja gar nicht, denn seine Hände, die eher großen Pranken glichen, fraßen sich förmlich in den Boden. Marga half natürlich so gut sie konnte, schließlich wollte sie nicht unverschämt wirken.
Dann, nach einer kurzen Weile, stapfte er zu dem vor langer Zeit Verstorbenen hinüber und legte ihn behutsam in das von ihnen geschaffene Loch. Ein merkwürdiger Anblick. Auch ein Wesen, welchem unbändige Kraft und Brutalität nachgesagt wurde, konnte auch sehr feinfühlig zu Werke gehen, aber das waren auch seltene Ausnahmen.
Dann blieb er noch einen Augenblick stehen, den Kopf gesenkt und sprach Worte in einer Sprache, die sie nicht verstand. Aufgrund der ganzen Laute und der Art des Sprechens konnte es nur Kr’zner, die Ork-Sprache sein. Vielleicht drückte der Ork so seine Trauer aus.
Marga konnte dem Schauspiel eigentlich nur zusehen. Sie wusste ja nicht, wie sie sich in solch einer Situation verhalten musste.

Dann sah der Krieger wieder Marga an. „Nun haben seine Seele Frieden. Doch noch viele andere Orks sein hier gefallen. Ihre Seelen auch ruhen müssen. Wir hier sein um zu befrieden ihre Geister.“ Wir? Dem Wortlaut zufolge waren noch andere Orks hier in den Wäldern unterwegs. Nachfahren oder Klan-Angehörige, die ihren verstorbenen Verwandten die letzte Ehre erwiesen. Dann lächelte der Krieger, auch wenn es eher einer Grimasse glich. „Möchten du mitkommen? Anführer möchten vielleicht mit dir reden.“

Was sollte Marga nun tun? Sollte sie mitgehen und vielleicht mehr über die Orks und ihre Kultur erfahren oder sollte sie lieber wieder zu Belenus und der bewusstlosen Laiya zurückgehen? Vielleicht konnten die Orks der Eiselfin auch helfen.
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Re: Auf den Spuren des Vaters

Beitrag von Marga » Samstag 23. Oktober 2010, 21:33

Marga war erleichtert, dass sich der gewaltige Krieger als friedlich erwies. Eigentlich hätte sie nichts anderes erwarten wollen, aber ihr war doch bange gewesen. Die Waffe und das Rüstzeug gaben in punkto Einschüchterung einiges her.
Orok der Krieger also, ein guter einfacher Name. Ihr etwas banaler Vorschlag kam gut an. „Ja, Respekt sein wichtig.“, sagte Marga, die eigentlich eher darauf bedacht war, dass ein Toter nichts über der Erde zu suchen hatte und deshalb Platz freimachen sollte. Etwas beiläufig, aber trotzdem mit großem Interesse fragte sie: „Die anderen?“ Sie wusste nicht genau, was sie davon halten sollte. Menschen, Orks oder Mischlinge?

Der Krieger hatte auf ihre Frage nach einer Schaufel genickt, aber eigentlich nur die Beweggründe bestätigt. Denn er buddelte zu Margas Erstaunen mit bloßen Händen. Sie bückte sich und grub vorsichtig mit ihren eigenen beiden „Werkzeugen“ mit. Dabei konnte sie aber nicht dasselbe Tempo vorlegen wie Orok, denn sie könnte sich an Steinen oder Wurzeln die verdreckten Finger aufschneiden und im schlimmsten Fall hier an Wundstarrkrampf krepieren.
Das Loch war zwar nicht besonders groß oder besonders tief, aber es handelte sich ja nur um ein Skelett und keinen großen Sarg. Der Ork trug den Leichnam mit einer erstaunlichen Sanftheit, die man einem muskelbepackten Krieger nicht zutraute, in das Loch und gemeinsam schütteten die beiden Erde ins Grab, um es zu versiegeln. Am Ende war etwas mehr Erde übrig, als reinpasste (das war immer so bei Löchern, solange sich Marga zurückerinnern konnte), also formte sie ein kleines Grabhügelchen daraus.
Ihr neuer Freund hatte sich erhoben und sprach in einer Sprache, die Marga nicht verstand. Aber sie begriff, dass dies irgendetwas Ehrwürdiges war, also faltete sie die verschmutzten Hände und ließ den Kopf hängen, so als könnte sie den Toten durch die dicke Schicht Erde sehen. Währendessen horchte sie der Sprache, deren Inhalt sie nicht verstehen konnte, aber deren Klang ihr so ungeheuer bekannt vorkam, dass sie nach einer Weile darauf kam, dass dies die orkische Sprache sei, so wie Garmisch Sprache der Menschen war.

Der Ork lud sie ein, ihn zu den anderen zu begleiten. Was kann schaden?, dachte sich Marga und nickte. Sie würde auch mehr als einen Ork treffen und endlich etwas über die Rasse erfahren, mit der sie sich seit ihrer Kindheit identifiziert hatte, auch wenn sie nie einen zu Gesicht bekommen hatte.
„Darf fragen, wer ihr sein und woher ihr kommt?“, erkundigte sie sich neugierig. Sie hatte sich nämlich bei diesem Waldausflug nicht mehr erhofft, als ein paar dahingeschiedene Orks zu sehen und jetzt stellte sich heraus, dass es hier mehrere Lebendige gab, die sogar die Toten zur Ruhe betteten.

Plötzlich kamen ihr Zweifel: Was war, wenn sie abgelehnt werden würde, weil sie zur Hälfte ein Mensch war, genau wie bei den Jersanern, weil sie für diese zur Hälfte ein Ork war? Aber Orok hatte sie bisher akzeptiert. Hatte er erkannt, dass sie zum Teil seinem Volk angehörte oder erkannte er in ihr nur eine Menschenfrau? Sie traute sich nicht, das Gespräch darauf zu lenken. Das war vielleicht ein Thema, über das sie mit diesem Anführer reden konnte. Vermutlich sogar das einzige Thema.
Plötzlich kam ihr der Gedanke, dass diese Gruppe vielleicht sogar einen Arzt mit sich führte. Ein Arzt, der sich Laiyas Schlafproblem widmen konnte. Das ließ sie an die beiden Elfen denken und vielleicht wäre es besser, sie mitzunehmen, anstatt sie im Unsicheren zu lassen, so nah an der Hauptstraße. Aber was war, wenn es zwischen Elfen und Orks irgendeine kindische Streitigkeit gab und sie damit die beiden gefährdete?
Also schwieg die Halborkin und nahm sich vor, auch darüber mit dem Anführer der Orks zu reden.

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Re: Auf den Spuren des Vaters

Beitrag von Gestalt » Sonntag 24. Oktober 2010, 21:56

Der Ork verstand ihr Nicken. „Gut“, war die kurze und knappe Antwort. Dann gingen sie los. Orok führte sie zielsicher durch den Wald, als würde er sich hier hervorragend auskennen. „Darf fragen, wer ihr sein und woher ihr kommt?“, warf Marga beiläufig ein. Sie wollte mehr über sie erfahren.
Der Ork blickte sie während des Laufens an: „Wir sein Söldner. Dunkle Elfen heuern uns an, um zu bewachen diesen Wald. Nebenbei wir bestatten gefallene Brüder und Schwestern. Dunkle Elfen sein hinterlistiges und feiges Volk. Kämpfen im Schatten, nicht offen. Das feige. Anführer Morg Wolfsong dir erklären mehr.“ Dem Wortlaut nach, war er nicht besonders gut auf die Dunkelelfen zu sprechen. Schließlich wurden Orks von diesen als Kampfsklaven ausgebeutet und meist als Frontfutter benutzt.

Sie gingen durch den Wald. Immer wieder lief ihnen andere Orks über den Weg. Sie suchten den Wald nach weiteren Toten ab, denen sie die letzte Ehre gewähren konnten. Einer dieser Orks blieb stehen, musterte Marga misstrauisch. „Orok. Wer sein das?“, sprach er in der Ork-Sprache. Orok blieb stehen. „Das sein Mar-ga, Lugdush. Sein Freund. Du besser machen weiter“, sagte der große Ork-Krieger zu seinem Gegenüber und deutete in Margas Richtung. Damit war verallgemeinert erklärt, dass sie unter seinem Schutz stand. Lugdush blickte Marga nochmals an, eine Mischung aus Misstrauen und Neugier, ging dann aber weiter. Schließlich gab es noch viele anderen Toten zu bestatten. Die Menschen hatten in den letzten Zwanzig Jahren ausgelassen Orks gejagt und getötet. Schon allein das war ein Umstand, den sie zu büßen hatten.

„Anführer nicht mehr weit entfernt. Du ihn auf jeden Fall erkennen“, sagte Orok, als sie ein gutes Stück weitergegangen waren. Nun trafen sie häufiger auf Orks, dann war der Anführer nicht mehr weit entfernt.
Auf einer Lichtung konnte man eine kleine Gruppe von Orks erkennen. Einer davon war etwas kleiner und nicht wie die anderen in eine Rüstung gehüllt. Stattdessen trug er Gewänder, die aus Fell bestanden und einen Bärenfellmantel, natürlich mit passendem Bärenkopf, der als Kapuze diente. Zwar war dieser Ork dem Anschein nach auch sehr muskulös, doch außer einem Dolch, der in dem Gürtel steckte besaß er scheinbar keine andere Waffe. Auf eben jenen Ork traten sie nun zu. Orok erhob ehrfürchtig die Stimme. „Throm-Ka, Morg Wolfsong“, sprach der Ork im Allgemeinen Celcianisch, damit auch Marga seine Worte verstehen konnte. „Grüße, Krieger. Du hast einen Gast mitgebracht?“, antwortete Morg, der erstaunlicherweise recht gut der Allgemeinsprache mächtig war. „Ja, großer Schamane. Sie helfen mir bei bestatten von Toten“, antwortete Orok ehrfürchtig. Morgs Blick fiel nun auf Marga. Dann schloss er kurz die Augen und murmelte etwas in der Sprache der Orks.

Als er sie wieder öffnete sah man Erkenntnis in seinen Augen. Der Anführer war augenscheinlich doppelt so alt wie Marga, doch sein Blick strahlte enorme Weisheit aus, was man sicher nicht erwartet hätte. „Du trägst das Erbe eines der unseren in dir, Marga.“ Sein scharfer Blick traf die Augen der Halborkin. Er wusste es! Doch woher? Offenbar waren Schamanen mächtiger als man auf den ersten Blick sah.
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Re: Auf den Spuren des Vaters

Beitrag von Marga » Mittwoch 27. Oktober 2010, 21:39

Marga weitete ihre Augen, als sie hörte, unter wessen Befehl die Orks standen. Ausgerechnet Dunkelelfen. Marga hörte sich die Ausführungen davon an und stimmte den Erläuterungen am Ende zu: „Das sein schlimm.“
Sie hatte bisher nur einmal diese Dunkelelfen zu Gesicht bekommen, aber sie waren ihr gänzlich unsympathisch. Die Halborkin hatte ja bereits schlimme Erfahrungen mit Argor, dem Eiselfen, und die Beschreibungen Belenus und jetzt die dieses Orks deuteten beide darauf hin, dass die Dunkelelfen ein ganzes Volk solcher Spinner war.

Während sie durch den Wald liefen, kamen ihnen mehrere einzelne Orks über den Weg – darunter aber keine Frauen – die Marga mal mehr, mal weniger misstrauisch beäugten. Einer sprach Orok in der Sprache seines Volkes an und Marga blieb nichts anderes übrig, als sich auf ihre Intuition und ihr ausgeprägtes Sprachtalent zu verlassen.
Ihre Übersetzung in Gedanken lautete folgendermaßen: „Orok, du Glücklicher, was machst du in Begleitung dieser starken, gut aussehenden Frau?“ – „Das ist Marga, außerdem hast du ‚klug’ vergessen. Aber wir müssen jetzt weiter.“ Der andere Ork war nur so schlecht gelaunt, weil er selbst gerne in Oroks Position wäre.

Sie erreichten eine Lichtung, wo eine Gruppe Orks versammelt war. Es waren Krieger, ähnlich ausgestattet wie Orok und alle ziemlich grimmig. Marga blickte sich vergeblich nach einen, der durch Größe oder durch eine besonders auffällige Rüstung auffiel. Aber ihre Augen fielen auf das Gegenteil. Ein kleinerer Ork, dem jedoch alle respektvoll entgegenblickten, war im Zentrum.
Er war unbestreitbar muskulös und er war in Fell gekleidet, nicht Leder, sondern unbehandeltes Tierfell. Der Bär, der grotesker Weise den Ork zu umarmen schien, war vermutlich einst seinem jetzigen Träger zum Opfer gefallen. Und wer zwischen Axt- und Breitschwertträgern nur einen Dolch trug, strahlte irgendwie eine größere Bedrohung aus.
Aber keines dieser Punkte war letztendlich das, was ihre Aufmerksamkeit auf ihn lenkte. Sie fühlte eine Art Knistern in seiner Nähe und sein Blick durchdrang sie.

Marga versuchte, sich nicht anmerken zu lassen, dass sie die Sache mit dem Namen nicht genau verstand. War das Throm-Kar eine Begrüßung, ein Titel oder ein Vorname? Oder irgendetwas orkisches, was überhaupt nichts mit Herrn Wolfsong zu tun hatte? Und was bedeutete Schamane?
Sie versuchte sich respektvoll zu halten, denn sie war ja kein Teil der Gemeinschaft und hatte trotzdem das Vorrecht, ihren Anführer kennen zu lernen. Damals in Jersa hatte sie ja nie auch nur den Bürgermeister zu Gesicht bekommen. Außerdem bezweifelte sie, dass dieser Politiker einen derartigen Eindruck auf sie hinterlassen würde, wie dieser Ork.
Also ließ sie sich auf einem Knie vor ihm nieder. Sie war nicht unbedingt erschrocken, als Morg Wolfsong ihren Ursprung erkannte. „Ja, weiser Herr. Mein Geschicht haben mich hierher geführt. Mein Vater kam von Nord und ich fragen Händler, ob es Orks hier gab, also schicken mich hierhin.“ Das war eine wirklich kurze Fassung ihrer Geschichte, aber sie wollte sich nicht lange damit aufhalten. Die Leute hier hatten jede Menge Respekt vor den Toten, also würden sie gewiss nicht hören wollen, dass der einzige, der dem Blutbad entkommen war, selbst die Hand zum Unrecht erhoben hat.

Sie zögerte einen Moment. Sollte sie bereits jetzt um den Gefallen bitten? Sie kannte den Ork kaum und war diese halbe Blutsverwandtschaft Grund genug für gegenseitiges Vertrauen? Aber andererseits wollte sie das nicht ewig aufschieben und vielleicht war diese Entschlossenheit und die Fähigkeit schnell auf den Punkt zu kommen eine Tugend des orkischen Volkes, denn Menschen taten das nicht so oft.

„Großer Morg Wolfsong, mich weiß, dass wir noch nichts kennen uns und ich noch nichts für Euch getan, aber trotzdem mich bitten euch um Gefallen. Wäre dann auch bereit, euch bei eurer Arbeit hier helfen…“

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Re: Auf den Spuren des Vaters

Beitrag von Gestalt » Montag 1. November 2010, 14:06

Sie war von der Autorität des Schamanen beeindruckt. Das konnte man ihrem Blick ansehen. Aber trotz allem konnte sie mit einigen Begriffen, die die Orks benutzten, nicht wirklich etwas anfangen. Sie verstand einfach den Sinn hinter diesen Worten nicht. Vielleicht konnte sie darüber etwas herausfinden und eventuell die Sprache der Orks lernen.
Zumindest verhielt sie sich höflich, was ihr Orok mit einem freundlichen Nicken auch bestätigte. Kurz, dem Schamanen galt es Ehre und Respekt entgegenzubringen, da es sonst üble Konsequenzen haben könnte.

Und trotz halber Blutsverwandtschaft duldete man sie in ihrer Mitte, das hatte Orok ja schon glänzend gezeigt. Wie es bei den anderen Orks aussah, konnte man im Moment nur erahnen. Lugdush zum Beispiel hatte sie von vornherein etwas misstrauisch beäugt. Marga sprach das vielleicht dem Neid zu, der den Ork gepackt haben könnte.

Orok schien zudem ein Auge auf sie geworfen haben. Doch vorerst hielt er sich zurück, man konnte ihm jedoch die Anspannung ansehen. Als Marga dann noch auf die Knie vor dem Schamanen ging, ging ein Raunen durch die Ork-Gruppe. Anscheinend waren sie überrascht, dass jemand, der zwar Orkblut in sich hatte, jedoch nicht wie ein Ork aussah, wenn man den grünlichen Hautschimmer einmal außen vor ließ, so einen Respekt an den Tag legte. Die meisten anderen, vor allem Menschen hätten so etwas niemals mit sich machen lassen.

Sie sagte kurz darauf: „Ja, weiser Herr. Mein Geschicht haben mich hierher geführt. Mein Vater kam von Nord und ich fragen Händler, ob es Orks hier gab, also schicken mich hierhin.“ Viele der Orks runzelten die Stirn, doch man konnte Morg ansehen, dass er verstanden hatte. Daraufhin nickte er. „Hm…“ Mehr sagte der Schamane nicht. Noch nicht. Er schloss die Augen und ließ Margas Worte auf sich wirken.

Die Halborkin wollte nicht allzu lange ihre Geschichte aufzählen, die Kurzfassung musste für den Augenblick reichen. Der Schamane öffnete die Augen wieder und sah sie fast schon väterlich an. Er strahlte wirklich eine große Erhabenheit und Weisheit aus, kein Wunder, wenn die anderen Orks ihm mit so viel Ehrfurcht begegneten.

Sie fragte mit Ehrfurcht, ob die Orks ihr bei etwas helfen konnten. Direkt danach versicherte sie ihnen ihre Unterstützung bei der Bestattung der Toten. Inständig hoffte sie jedoch, den Orks damit nicht zu nahe getreten zu sein. Orks hatten eine kleine bis gar keine Hemmschwelle. Doch bisher zeigten sie sich von ihrer friedlichen Seite. Nur ab und zu streifte ein neugieriger Blick die Frau.
Morg murmelte einige leise Worte in seiner Sprache, dann nickte er. „Nun, Mar-ga. Bei was sollen wir dir helfen?“ Seine Augen musterten die Frau.
Dass Marga damit indirekt die Eiselfin Laiya gemeint hatte, konnte keiner der Orks wissen. Die steckte immer noch in diesem seltsamen Schlaf fest, der sich nicht erklären ließ.

„Nun gut. Wir werden versuchen dir zu helfen. Deine Gegenleistung hattest du ja schon genannt“, erklärte der Schamane. Er wandte sich an Orok. „Pass gut auf sie auf. Die Dunkelelfen könnten versuchen ihr Schaden zuzufügen, was nicht in meinem Interesse ist. Man kann den Dunkelelfen nicht trauen, nur weil wir mit ihnen zusammenarbeiten.“ Der Ork nickte ehrfürchtig. Er hatte verstanden. "Ja, großer Schamane. Ich werde sie beschützen." Auch ihm war dieses Elfenvolk zuwider. Ihre Falschheit und unehrenhafte Art mochte keiner der anwesenden Orks, die leise knurrten. Einer stieß sogar einen Fluch in seiner Muttersprache aus. Sie waren keine Heimlichtuer, sondern Männer der Tat.

„Orok wird dir zur Seite stehen, solange du hier bei uns bist. Er ist sehr pflichtbewusst.“ Orok gab ein zustimmendes Knurren von sich. Um ihre Sicherheit musste sie sich vorerst also keine Sorgen machen.
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Re: Auf den Spuren des Vaters

Beitrag von Marga » Dienstag 2. November 2010, 12:46

Die Halborkin hoffte, dass sie mit ihrer Bitte nicht zu früh kam, aber der Schamane war weder empört, noch abweisend, sondern fragte sie offen, um was es nun ging. Sie schluckte und ohne lange zu überlegen oder zu planen, sprach sie: „Mich haben zwei Freunde in Nähe, eine sein krank und wenn ihr haben Heiler, dann würden ihr helfen? Beide sein Elfen, aber nix dunkle, und sind ehrenhaft und mich glauben, dass sie benehmen.“

Sie war etwas nervös, aber eigentlich durfte sie zuversichtlich sein: Selbst wenn Orks und Elfen etwas gegeneinander hätten, waren Belenus und Laiya weder Krieger, noch Herrscher. Auch mussten sich die Orks bewusst sein, dass dies ein Ort war, wo schon zu viel Blut wegen Vorurteilen und unbegründeten Hass vergossen wurde.

Sie schnaufte erleichtert auf, als der Morg Wolfsong ihrem Anliegen zustimmte. Natürlich stellte sich die Frage, ob der orkische Heiler mehr von Laiyas Krankheit oder Fluch verstand als der waldelfische Begleiter, aber es gab nichts zu verlieren. Was sie im Gegenzug leisten würde, hatte sie bereits angeboten und es machte ihr nichts aus. Es war sowieso besser, etwas zu arbeiten, anstatt untätig auf Laiyas Genesung zu warte.

Natürlich bedanke sich Marga herzlich. „Danke, Morg Wolfsong, mich sein Euch verbunden.“, denn so gehörte sich das. Auch damals bei den Menschen war Höflichkeit wichtig gewesen, aber hier bei den Orks fühlte es sich natürlicher an. Sie hatten eine ebenbürtige Vereinbahrung geschlossen und selbst in kniender Haltung fühlte sie sich respektiert und anerkannt.
Als sie das Gefühl hat, dass alle Worte gesprochen waren, erhob sie sich. Morg wechselte noch etwas auf orkisch mit Orok, bevor er ihr versicherte, dass Orok ihr beistehen würde. Sie fragte sich, was sie vorher ausgetauscht hatten, aber diesmal konnte ihr Sprachtalent ihr nicht weiterhelfen.

Nachdem sie die Versammlung verlassen hatte – Orok wich ihr nicht von der Seite – blickte sie den Ork an und sagte dann: „Also, wenn nichts dagegen, dann wir bringen meine Freunde ins Lager und danach du bestimmen, wo’s langgeht.“
Immerhin machte Orok das schon die ganze Zeit und die Schülerin maß sich nicht an, irgendetwas zu bestimmen, was das Begraben von Leuten betraf. Auf dem Weg stellte sie eine weitere, kleine Bitte an Orok: „Können mir ein paar Worte orkisch Sprache beibringen? Bin unter Menschen aufgewachsen. Wenigstens das, was du sagen, um Verstorbene zu ehrigen.“
Auch wenn sie das Gefühl hatte, dass sie diese Sprache schnell lernen könnte, schneller als damals die garmische, so bezweifelte sie, dass sie lange genug bei den Orks blieb, um die Sprache ganz zu lernen. So wollte sie wenigstens ein paar Grundfloskeln lernen.

Mit Oroks Hilfe fand sie schließlich auch den Weg zurück bis zum umgefallen Baumstamm und das danebenliegende Grab. Jetzt musste sie nur noch dem Weg folgen, um zu ihren beiden Begleitern und den Pferden zurückzukommen. Sie spitzte die Lippen, um Orok zu sagen, er solle nicht so einschüchternd wirken, doch dann hielt sie inne, denn das hieße, der Krieger müsste seine Waffe zurücklassen und dazu könnte sie ihn gewiss nicht bewegen. Außerdem würde das auch nichts and der Größe und der muskulösen Gestalt ändern.
Stattdessen rief sie in einiger Entfernung schon: „Belenus, kein Angst, mich haben Hilfe für Laiya gefunden!“

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Re: Auf den Spuren des Vaters

Beitrag von Erzähler » Sonntag 7. November 2010, 01:01

Der Alte Schamane nahm ihre Komplimente zur Kenntnis. Das zuvor gesprochene konnte sie nicht deuten, doch das was sie auf celcianisch zu hören bekam, reichte vorerst. Orok würde den Aufpasser für sie spielen, eine Rolle, die er wohl sehr ernst nahm, denn er wich ihr keine Sekunde von der Seite. Oder war da doch noch ein anderer Grund? Zumindest jetzt im Moment war das noch nicht wirklich ersichtlich.

„Mich haben zwei Freunde in Nähe, eine sein krank und wenn ihr haben Heiler, dann würden ihr helfen? Beide sein Elfen, aber nix dunkle, und sind ehrenhaft und mich glauben, dass sie benehmen.“ Diese Worte bewirkten, dass einige der Orks murrende Knurrer von sich gaben. Orks und Elfen, das war wie Feuer und Wasser, es passte einfach nicht zueinander. Doch der Schamane hatte ihr schon Hilfe zugesagt, also mussten sie das über sich ergehen lassen. „Dann bring sie her, damit sie schnell geheilt wird. Orok, du begleitest sie.“ Marga sprach sofort ihren Dank aus. „Danke, Morg Wolfsong, mich sein Euch verbunden.“ Der Schamane nickte. Sein Blick sagte jedoch: danke mir nicht zu früh. Noch ist dein einer Begleiter nicht geheilt.

Dann ging sie zielstrebig los, Orok immer bei ihr. Seine Gesichtszüge waren angespannt, schließlich konnten überall Dunkelelfen oder anderes auftauchen. Nebenher redete Marga mit ihm. „Also, wenn nichts dagegen, dann wir bringen meine Freunde ins Lager und danach du bestimmen, wo’s langgeht.“ „Gut, wir machen so.“ Er hatte schon die ganze Zeit die Führung übernommen gehabt, bisher hatte sie sich nicht beklagt.

Immer wieder spähte der Ork herum, doch vorerst war alles still. Der Wald lag friedlich da. Als sie zu dem Baumstamm kamen, dort wo sie die Überreste des verstorbenen Ork vergraben hatten, meinte sie: „Können mir ein paar Worte orkisch Sprache beibringen? Bin unter Menschen aufgewachsen. Wenigstens das, was du sagen, um Verstorbene zu ehrigen.“ Verdutzt sah der Ork sie an. Damit hätte er nicht gerechnet. „Du wollen, ich sein dein Lehrer? Ich mich fühlen geehrt.“ Es war eher eine Mischung aus Ehrgefühl und Verlegenheit.

Langsam kamen sie auf den Weg, dem Marga gefolgt war. Ihr Gesichtsausdruck sagte ihm, dass er nicht so einschüchternd wirken solle. Belenus war in manchen Situationen recht sensibel und der Anblick des Orks würde ihn womöglich vollkommen aus der Fassung bringen.
Der eben genannte saß immer noch auf seinem Pferd und hielt Laiya in den Armen. Sie wirkte immer noch so leblos. Dann hörte er eine ihm vertraute Stimme: „Belenus, kein Angst, mich haben Hilfe für Laiya gefunden!“ Marga kam! Und mit ihr eine große und breite Gestalt. Belenus’ Atem setzte für einen Moment aus, sein Herzschlag tat es ihm gleich. Dann, nachdem er sich wieder gefangen hatte, schluckte er hart.

Ungläubig sah er zu Margas Begleitung herüber. Auch wenn dieser große Kerl seine Waffe gerade nicht in der Hand hielt, war sich der Elf ziemlich sicher, dass er die nicht einmal brauchen würde, um jemanden zu töten. Doch er beherrschte sich. „Du hast Hilfe gefunden? Wirklich?“ Immer wieder sah er vorsichtig zu dem Ork hinüber. Jetzt sah er einen mal aus der Nähe.

Orok deutete in die Richtung, aus der sie gekommen waren. „Du Elf uns folgen. Haben Hilfe für Begleitung“, sagte der Ork knapp und verschränkte die Arme vor der breiten Brust. „G…gut, aber ich brauche jemand, der mir hilft, Laiya zu tragen.“ Orok kratzte sich am Hinterkopf. War Laiya der Name dieser zierlichen Gestalt, die da in den Armen des Elfen lag? Womöglich ja. Also fackelte er nicht lange. Er war zwar nicht der größte Denker, doch er wusste, dass sie keine Zeit zu verlieren hatten. „Ich helfen.“ Orok half also dem Elfen, die Eiselfe vom Pferd zu laden und nahm sie auf den Arm. Das sah ziemlich merkwürdig aus. Der große Ork und die kleine Eiselfe. „Mir folgen, Belenus“, brummte der Ork.

Dann gingen sie wieder zurück. Man konnte Belenus die Nervosität ansehen. Schließlich würde er gleich in einer Horde Orks stehen.
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Re: Auf den Spuren des Vaters

Beitrag von Marga » Donnerstag 11. November 2010, 21:18

Etwas mulmig war der Schülerin schon, denn die Orks hatten alles andere als begeistert gewirkt, als sie erfuhren, dass es sich um Elfen handelte. Aber sie hatte das Versprechen des Schamanen und solange sich die beiden Begleiter von Marga gut benahmen, drohte keine Gefahr. Vermutlich würden die Orks dadurch lernen, dass nicht-dunkle Elfen auch nichts Böses im Sinn hatten, sondern freundliche, wenn auch etwas seltsame Gesellen waren.

Diese Gedanken gingen ihr beim Weg, den sie durch den Wald nahmen, durch den Kopf und sie gratulierte sich selbst schon dafür, ihren Beitrag zur Völkerverständigung geleistet zu haben. Aber man durfte den Tag nicht vor dem Abend loben.
Sie hatte ihren orkischen Begleiter etwas in Verlegenheit gebracht, als sie ihn bat, ihr ein paar Vokabeln der orkischen Sprache beizubringen und war deshalb verwundert. Sie hatte ihn ja nicht gebeten, ihm großartig Grammatik und solchen Kram beizubringen. Es würde ihr ausreichen, die wichtigen Dinge auf orkisch beizubringen, was man halt so im Alltag brauchte.

Als Belenus den Ork erblickte, erschrak er und Marga nahm es ihm nicht übel. Man konnte niemanden verurteilen für etwas, was einem selbst auch schon passiert war. Der Elf schien sich unsicher zu sein, aber Orok handelte entschlossen und half auch schon kurz darauf, Laiya zu tragen. In den Armen des gewaltigen Kriegers sah das blasse, elfische Fliegengewicht aus wie eine kleine Porzellanpuppe.
Orok lief schon zügig gen Lager los gefolgt von Belenus und Marga blickte auf die Pferde. Sie eilte sich, sie von den Bäumen loszubinden und führte sie hinter sich her. Dies war immer noch Grandessa und selbst auf diesem verlassenen Waldweg wollte sie die beiden Tiere nicht zurücklassen. Sie holte Belenus ein und schickte sich, ihm die Lage zu erklären.

„Dies hier sein Soldlings und solange hier im Wald sie begraben tote Orks. Mich haben schlauen Schamanen versprochen, dass helfen, wenn Laiya von Heiler versorgt werden.“
Sie sprach zwar nicht so laut, dass Orok es zwangsläufig mithören musste, aber nicht zu leise, als dass man glauben könnte, sie hätte etwas zu verbergen. Wenn er wollte, konnte er also ihre Worte verstehen.
Jetzt beugte sie sich zu ihm, während der Orkkrieger nur nach vorne schaute und flüsterte noch ein paar Worte, die nur für Belenus Ohren bestimmt waren: „Aufpassen, Orks nichts gut auf Elfen sein sprechen. Mich dabei denken an Laiya. Wenn Arzt können helfen und sie aufwachen, lass nicht erstes sehen sein Ork, sie könnte Angst kriegen und ihn in Eiswürfel verwandeln. Das sein nichts gut.“

Sie war sich sicher, dass Belenus ruhig blieb und Material für irgendwelchen Reiseberichtskram sammelte, aber Laiya war etwas störrisch und könnte das eine oder andere abschätzige Wort sagen. Das war ein Risiko, das Marga zu schaffen machte, aber sie hoffte, dass ihre Meisterin sich aus Dankbarkeit für die Heilung zurückhalten würde.

Die seltsame Gruppe, ein Orkkrieger, der eine Eiselfin trug, ein nervöser Waldelf und eine Halborkin, die zwei Pferde hinter sich her zerrte, näherten sich dem Lager. Marga verließ die Gruppe kurzzeitig und suchte einen Punkt abseits des Lagers, wo es viel Platz und grünes Gras gab (und keine Gräber, das war verdammt wichtig!) und band die Pferde so fest, dass sie ausreichend Bewegungsfreiheit hatten.
Sie blickte sich um und hielt Ausschau nach der Gruppe, die sie aus den Augen verloren hatte. Orok war zwar groß, aber hier liefen dutzende muskelbepackte Hünen in Stahlrüstungen herum. Aber nur einer wurde von einer normalgroßen Gestalt begleitet, also eilte sie ihnen schnell hinterher.

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Re: Auf den Spuren des Vaters

Beitrag von Erzähler » Montag 15. November 2010, 20:00

Während die beiden dem großen Ork folgten, klärte Marga den Elfen über die aktuelle Situation auf. An seinem Gesichtsausdruck konnte man leicht erkennen, dass er darüber nicht sehr erfreut war, aber wenn diese…Leute Laiya wieder aufwecken konnten, dann müssten sie es versuchen. Auch wenn er sich nicht wirklich vorstellte, das sie es auf die sanfte Tour machen würden. Schließlich waren Orks nicht gerade für ihre Feinfühligkeit bekannt. Doch Orok trug die Eiselfin fast schon behutsam, er war also eine große Ausnahme.

Dann trat Marga dichter an Belenus heran und flüsterte: „Aufpassen, Orks nichts gut auf Elfen sein sprechen. Mich dabei denken an Laiya. Wenn Arzt können helfen und sie aufwachen, lass nicht erstes sehen sein Ork, sie könnte Angst kriegen und ihn in Eiswürfel verwandeln. Das sein nichts gut.“ Belenus nickte.
Er kannte seine Laiya nur zu gut. Sie würde auf jeden Fall nicht zögern, einige der Orks in Eisskulpturen zu verwandeln. Doch dann hätten sie schneller Ärger am Hals, als ihnen lieb war. Außerdem musste mit anstößigem Gerede gerechnet werden. Laiya war ab und an etwas störrisch und mehr als launisch, was sich auch oftmals negativ auf sie und ihre Begleiter auswirkte. Doch half so etwas gegen eine Horde Orks, die bei der kleinsten Verfehlung nicht zögern würden, ihr den Schädel einzuschlagen?

Es sah ziemlich seltsam aus, die kleine und zierliche Eiselfe in den Armen dieses Hünen zu sehen. Aus der Entfernung könnte man glatt glauben, der Ork trage eine Porzellanpuppe spazieren. Immer wieder kreuzten andere Orks ihren Weg, doch sie wurden nicht wirklich beachtet. Belenus sah sich immer wieder um. Ihm war das Ganze nicht wirklich geheuer.
Marga indessen hatte das Grüppchen kurz verlassen, um die Pferde etwas abseits festzumachen. Und zwar dort, wo es genügen Gras und keine Gräber gab. Das war in ihren Augen mehr als wichtig. Dann schloss sie wieder zu ihnen auf.
Belenus wurde inzwischen immer wieder von misstrauischen Orks beäugt. Auch die Gestalt auf Oroks Armen wurde mit Misstrauen gemustert. Doch Orok knurrte bedrohlich und so zogen sich die Ork zurück. Offenbar nahm der Ork eine höhere Position ein. Vielleicht war er ein Unterführer oder so etwas in der Art.
Inzwischen hatte Orok den Schamanen erreicht. „Hm…sieht so aus, als wäre das die Person, die Heilung bedarf.“ Dann drehte er sich um und rief: „Lugdush! Geh und hol meine Medizintasche! Die Frau braucht unverzüglich Hilfe!“ Man konnte nur ein widerwilliges Grunzen vernehmen, doch der Ork tat wie geheißen und verschwand kurz, tauchte aber nach einer Weile wieder auf, mit einer großen Ledertasche in den Pranken.

Dann: „Holt ein paar Felle! Ich möchte nicht, dass die Patientin unbequem liegt“, rief der Schamane. Sofort stürzten einige der Orks durcheinander und beschafften das Angeforderte. „Ich werde versuchen sie zu heilen“, sprach Morg Wolfsong zu Margas Verwunderung. Das ein Schamane auch ein Arzt sein konnte, war ziemlich überraschend. Und sofort machte er sich an das schwierige Werk. Immer wieder murmelte er Wörter in der Sprache der Orks. Auch wenn Orok die Sprache ebenfalls sprach, verstand er den genaueren Sinn dahinter nicht. Anscheinend waren das Zauberformeln, die nur unter Schamanen verwendet werden durften.

Belenus betrachtete das Szenario. Ihm gefiel es zwar nicht, hier inmitten dieser ungeschlachten Ork-Truppe zu stehen, doch immerhin würden sie Laiya retten können. Also blieb er, wo er war und sprach vorerst kein Wort. Sonst würde er vielleicht den Schamanen aus seiner Konzentration werfen und damit die Chance auf Heilung zunichte machen. Außerdem wären die Orks dann tierisch sauer auf ihn und das wollte er nicht riskieren. Er hatte gesehen, zu was Marga imstande gewesen wäre, als sie richtig wütend war. Was ein richtiger Ork-Krieger anstellen würde, das wollte er lieber nicht herausfinden.

Orok derweil blieb die ganze Zeit über in Margas Nähe. Belenus bemerkte dies und flüsterte der Schülerin etwas zu, dass nur sie hören konnte: „Wie kommt es, dass dir dieser Ork hier nicht von der Seite weicht? Kann es sein, dass…? Den Rest des Satzes ließ er lieber weg, denn man konnte es sich ja schon fast denken.
Auch Marga musste sich eingestehen, dass der Ork sich ihr gegenüber recht höflich verhalten hatte, auch wenn sie nur ein Halbblut war. Konnte es sein, dass er sich in sie…verliebt hatte?
Möglich wäre es. Auch die Verlegenheit, als sie um ein Training in Sachen Ork-Sprache erbeten hatte, könnte als einer der Gründe dafür angesehen werden.
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Re: Auf den Spuren des Vaters

Beitrag von Marga » Dienstag 16. November 2010, 19:45

Während sie der Gruppe hinterher eilte, konnte sie die Blicke der Orks, die auf die für sie Fremden gerichtet waren, entdecken. Als wären sie Feinde und das machte Marga bange. Das einzige, was Sicherheit gab, war das Wort des Schamanen, der die Halborkin und die Elfen duldete und dem die Orks gewissenhaft gehorchten
Ein Rückzieher war jetzt nicht mehr drinnen, das hätte die Orks und ihre Fähigkeiten gekränkt. Naja, die grimmigen Blicke waren eben wie feste Händedrücke und das Beste war, einfach nicht nachzugeben und beschämt auf den Boden zu blicken, sondern jeden kräftig zu entgegnen. Sie hatte das Gefühl, diesen Instinkt, dass Orks solche Stärke respektierten und Offenheit mehr mochten als Demut.

Erst dachte sie, Orok würde Laiya zu dem Zelt eines Heilers bringen, einem Lazadingens, aber stattdessen trug er sie zur Mitte des Lagers. Dabei stellte Marga erleichtert fest, dass der Orkkrieger alle seine Kameraden, die gafften und unzufrieden murmelten, auf Distanz hielt. Dies bedeutete, dass nicht nur der Schamane auf ihrer Seite stand.
Noch immer nicht wich Orok in eine Seitengasse zwischen den Zelten aus, sondern lief ungestört bis zu der Versammlung der wichtigsten Orks, die sie vor nicht einer halben Stunde verlassen hatte.
Was darauf kam, musste sie erst einmal verstehen. Der Schamane war nicht nur Anführer der Orks, er hatte auch die Position eines Heilers inne. Er rief einen Ork etwas zu, das sie nicht verstehen konnte, der daraufhin eilte, eine Ledertasche herbeizuschleppen und etwas später verlangte er auf der allgemeinen Sprache nach Fellen für die kranke Elfin.
Vielleicht war das die Qualität, die ihn zum Anführer machte: Er konnte die Kranken und Verwundeten heilen, was für eine Gruppe Söldner wichtig war, die nicht bei jeder Kleinigkeit verbluten wollten. Aber dahinter lag mehr, diese simplen Heilfähigkeiten konnten nicht dieses elektrisierende Prickeln in seiner Nähe erklären.

Auf einmal hatte die Halborkin Interesse, sich die Heilung mit anzusehen. Es kam ihr bedeutsam vor und außerdem wollte sie sehen, wie die Heilkunst der Orks aussah. Damals in Jersa hatte sie im letzten Lebensjahr ihres Ziehvaters, als sie immer wieder zum Arzt renne musste, weil es Orlo nicht gut ging, viel über die der Menschen gelernt: Zwar nicht, wie sie funktionierte, sondern nur, dass dabei viele Wickel, Salben, Kräutersude und bittere Säfte im Spiel waren.
Sie wollte Orok fragen, ob sie noch etwas bleiben konnten, aber der starrte ebenso gebannt auf das Schauspiel wie alle anderen. Sie fasste das als ein deutliches ja auf. Die komplizierten Formeln unbekannter Riten waren ergreifend und irgendwann hörte sie Belenus ihr etwas zuflüstern.
Sie war verwirrt, worauf wollte der Waldelf denn hinaus? Sie war vielleicht die letzte um ihn diesen Moment an Liebe zu denken. Sie hob verwirrt ihre Brauen und zuckte mit den Schultern. „Schamane hat ihm irgendwas orkisch gesagt. Mich denken, der soll aufpassen, dass mir nichts passieren und dass ich auch ordentlich mein Teil von Abmachung tun.“

Sie schielte zu dem Krieger hin und konnte jetzt nichts Besonderes entdecken. Er war zwar etwas arg eifrig, aber sie hielt das für Pflichtbewusstsein. Dann schaute sie noch einmal zu dem Elfen. Was er wohl meinte?

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Re: Auf den Spuren des Vaters

Beitrag von Gestalt » Sonntag 21. November 2010, 17:22

Bei seiner Erklärung, er würde die Heilung von Laiya übernehmen, war Marga etwas irritiert. Schließlich hatte sie damit ja nicht gerade gerechnet. Morg machte sich sofort an die Heilung und sprach seltsame Beschwörungen, die für Marga herzergreifend klangen. Sie kannte sich zwar mit dieser Kultur nicht aus, doch war es immer besser, sich für solche Dinge zu interessieren. Schließlich wollte sie die Orks, die zum Teil mit ihr durch Blutsverwandtschaft verwandt waren, nicht kränken.

Sie hatte inzwischen realisiert, dass Belenus, der ja in der Nähe stand, ihr etwas zugeflüstert hatte. Wenn sie ehrlich war, dann hatte sie über die Liebe viel zu wenig nachgedacht. Womöglich, weil sie selbst nicht wirkliche Liebe erfahren hatte. Ihr ‚Vater’ hatte sie nie wie seine Tochter behandelt, war aber auch nicht grausam zu ihr, nur weil sie anders war. Aber auch sonst war ihr der tiefere Sinn von Belenus’ Aussage nicht sehr schlüssig. Vielleicht hatte er einfach nur einen Schluss gezogen, der womöglich der am nächsten liegende gewesen war.

Aber abstreiten konnte sie wirklich nicht, dass sie in Oroks Nähe ein seltsames Gefühl verspürte. Ob es auch umgekehrt genauso war? Der Ork hatte sie als erstes so akzeptiert wie sie war: Keine Beleidigungen, keine Drohungen…nichts.
Sie ertappte sich dabei, wie sie immer wieder zu ihm herübersah. Er hatte etwas Ungewöhnliches an sich. Und das er Kraft hatte, war auch unbestreitbar. Bestimmt hatte er schon in so manchen Schlachten gekämpft. Noch immer verfolgte der riesige Ork wie gebannt das Ritual der Heilung.

Dann sah sie wieder in Belenus’ Richtung. „Schamane hat ihm irgendwas orkisch gesagt. Mich denken, der soll aufpassen, dass mir nichts passieren und dass ich auch ordentlich mein Teil von Abmachung tun.“ Nun war es an Belenus, verwirrt drein zu gucken. „Abmachung? Was heißt das?“ Von der Abmachung, die Marga mit dem Schamanen geschlossen hatte, hatte er natürlich keine Ahnung.

In der Zwischenzeit hielt der Schamane kurz inne und sah zu den beiden herüber. „Körperlich ist mit ihr alles in Ordnung. Doch ihr geistiger Zustand ist fast schon katastrophal. Sie muss Opfer eines Geistermagiers geworden sein“, erklärte er. Diese Worte waren nicht gerade sehr erbaulich, auch Belenus bangte zunehmend um die Gesundheit seiner Gefährtin. Was wäre, wenn sie nie wieder aufwachen würde?
Vielleicht hätte er eine eher schonende Diagnose erwartet, wobei das bei Orks nicht so der Fall zu sein schien. Sie machten nicht viele Worte drum herum, sie waren ein Volk der Tat, auch wenn die meisten Taten, die sie begingen, schlecht waren, aus der Sicht der Menschen zumindest. Worte verwirrten sie nur, wenn es hieß damit eine Lösung zu finden.

„Hm…ich werde versuchen, die Geistermagie zu brechen“, murmelte der Schamane. „Doch dazu muss ich in ihren Geist eindringen. Sie wird innerlich einen Kampf gegen eben jenen Alptraum ausfechten und braucht Unterstützung.“ Kaum hatte er das gesagt, war Belenus einen Schritt nach vorn getreten. „Warum Ihr, wieso kann ich nicht in ihren Traum eintreten?“ Einige der Orks knurrten und blickten genervt in seine Richtung. Nicht das dieser Elf auch noch hier sein durfte, jetzt störte er auch noch ihren Schamanen bei seiner Arbeit.

Doch dieser hielt die Orks mit einem Handzeichen zurück. Morg Wolfsong sah in eindringlich an. „Weil du ein Teil ihrer Erinnerung bist. Würdest du in ihrer Traumwelt auftauchen, würde sie das noch mehr verstören, als sie jetzt schon ist. Deshalb muss ein Fremder, jemand wie ich sie dort herausholen“, sagte er beharrlich.
Belenus sah ihm kurz noch in die Augen, nickte daraufhin aber. Er wollte sich jetzt nicht mit dem Ork streiten. Er würde eh den kürzeren ziehen und das konnte recht ungesund werden. „Verzeiht“, sagte er leise und trat wieder zurück. „Dir sei verziehen. Doch nun, lasst mich mit ihren Gedanken verschmelzen.“ Daraufhin entspannte sich die Atmosphäre wieder etwas.
Morg zelebrierte ein bizarr anmutendes Ritual und nach einer kurzen Weile sackte sein Körper neben Laiya zusammen. Die Orks wagten es nicht, seinen Körper zu berühren, denn sie hatten Angst, dass ihr Anführer dann nicht mehr zu ihnen zurückfand. „Er sich nun in Welt von kleiner Elfenfrau begeben haben. Nun er versuchen, sie zurückzuholen“, erklärte Orok ehrfürchtig. Auch wenn er ein Krieger war, war er etwas in solchen Dingen vertraut.

Nun konnten sie nur noch abwarten, was geschehen würde. Und vor allem, dass die übrigen Orks unter Kontrolle blieben.
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Re: Auf den Spuren des Vaters

Beitrag von Marga » Mittwoch 1. Dezember 2010, 20:17

Als sie das Versprechen erwähnte, schien Belenus verwirrt zu sein. Auf seine Frage hin, schloss sie die Augen und dachte zurück und stellte fest, dass sie ihm bereits davon erzählt hatte. Trotzdem wiederholte sie es: „Dann noch mal: Mich helfen beim Begraben von Orks und Laiya kriegt Heilung.“

Aber dann sprach auch schon der Schamane seinen Befund über den Zustand der Eiselfin aus. Sie verstand nicht sonderlich viel davon. Dass ihrem Körper nichts fehlte war erbaulich, aber dafür sah die Diagnose des Geistes schlimmer als befürchtet aus. Irgendwie hatte das etwas mit Geistermagie zu tun und Marga dachte zurück. Da war doch etwas… „Aber natürlich…“, murmelte sie für sich selbst. „Das Geisterhaus, da hat Schlaf angefangen.“

Groll kochte im Magen der Halborkin hoch. Verdammtes Grafentochtergör! Nicht nur einfach Fremde in ihr makabres Spiel mit einbeziehen, dann aber auch nachdem sie erlöst worden war, nachdem ihr Tod aufgeklärt und gesühnt worden war, dann einfach nicht den Fluch auflösen!

Mit geballten Fäusten musste sie hilflos zusehen. Der Schamane erläuterte seine Vorgehensweise. Belenus trat vor und in seinem Windschatten machte Marga auch einen Schritt nach vorne, schwieg aber. Natürlich würde sie am liebsten helfen, aber wenn Laiya träumte, dann konnten da eine Traummarga und ein Traumbelenus vorkommen. Für die Halborkin stellte das kein Problem da. Zwei Margas bedeuteten ein kräftiges Paar Arme mehr, ein scharfer Verstand mehr und einmal Eismagie mehr. Also das dreifache Potential einer einfachen Marga (das war der Grund, warum sie sich immer einen Zwilling gewünscht hatte).
Aber scheinbar würde Laiya glauben, sie sehe doppelt, was nicht so gut war.

Noch bevor Belenus wieder zurück trat, war Marga auch schon schnell einen Schritt nach hinten gegangen und rollte die Augen über die Ideen, auf die dieser Waldelf kam. Die letzten Beschwörungen der Zeremonie wurden von Morg Wolfsong rezitiert. Marga spielte mit dem Gedanken, im letzten Moment dazwischen zu springen, um auch in Laiyas Geist einzutauchen, Gefahren hin oder her, aber die Idee konnte eigentlich nur scheitern, also beherrschte sie sich.

Das Ende war wenig spektakulär: Der Schamane plumpste sanft zu Boden und lag nun neben Laiya, die ebenso regungslos blieb. Marga wusste nicht, wie lange so ein Kampf dauern konnte, den Morg jetzt zusammen mit Laiya bestehen musste, aber Marga hatte das Gefühl, dass es nicht besonders schnell zu Ende sein würde.
Die Orks waren teilweise verwirrt und wussten nicht, was sie tun sollten und richteten schon drohende Blicke auf Belenus und Laiya, so als ob mit Morgs Bewusstlosigkeit schon die Gastfreundschaft erlosch.
Die Schülerin grübelte ein bisschen und hatte dann aber eine Idee erarbeitet, die bestimmt die Wogen glätten würde. Wenn die Orks über die Situation aufgeklärt waren, würden sie bestimmt nichts Dummes tun. Sie trat also vor und sprach laut:

„Also, ihr bestimmt wissen: Körper von jemand sein wie Haus und Geist sein Bewohner. Jetzt Morg hat sein Haus verlassen, um kranken Bewohner von Elfenhaus zu helfen. Danach er gehen zurück. Deshalb der Elfe darf nichts passieren weil sonst Dach fallen auf Kopf von Laiya-Geist und Morg-Geist. Und Körper nicht dürfen weit außeinander sein, weil sonst Morg-Geist nicht findet heim.
Aber mich nicht brauchen euch sagen. Ihr habt bestimmt schnelliger verstanden als ich.“

Sie trat wieder zurück und sprach leise mit Orok. „Sie doch verstehen werden, oder?“ Wenn das der Fall war, könnten sie ja bereits losgehen, um die Toten zu bestatten. Doch sie warf einen sorgenvollen Blick auf Belenus: Nirgends war in ihrer Gleichung die Unversehrtheit dieses Elfen gefordert. Und er ließ sich bestimmt nicht dazu überreden, mit den beiden zu gehen und seine Freundin allein hier zurückzulassen. Also müsste sie die Erfüllung ihres Versprechens nach hinten verschieben, was ihr eigentlich nicht behagte.

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Re: Auf den Spuren des Vaters

Beitrag von Gestalt » Mittwoch 1. Dezember 2010, 22:41

Belenus schluckte ein paar Mal hart, als Marga ihm den Sachverhalt erklärte. Zum einen, weil er nicht wusste, ob Laiya wirklich wieder aufwachen würde und zum anderen, weil die Orks ihn mit ziemlich gemischten Gesichtsausdrücken anstarrten. Bisher blieb es zum Glück nur beim Starren. Orok schien im Moment die Situation noch voll im Griff zu haben, denn immer wieder gab er ein grimmiges Knurren von sich, zum Zeichen dafür, dass die anderen Grünhäute nicht näher kommen sollten. Offenbar hatte er seine Beschützerrolle noch etwas weiter ausgebaut und nun auch Belenus und Laiya miteinbezogen.

Immer wieder kreisten die Gedanken der Schülerin um Laiya. Niemand, nicht einmal sie selbst konnte wirklich sagen, wie lange der Schamane brauchte, um Laiyas Geist wieder in ihren Körper zu befördern und ob sie dadurch auch tatsächlich aufwachte. Doch man konnte ja noch hoffen.

Die Orks starrten eigentlich nur auf die reglosen Leiber, anstatt sich wieder an ihre Bestattungen zu machen. Margas Erklärung, die Körper nicht voneinander zu trennen, fiel bei den Meisten auf fruchtbaren Boden. Sie wagten es nicht einmal, sich groß zu bewegen. In den meisten Blicken spiegelte sich große Verwirrung und Unsicherheit wieder. Sie würden es zwar niemals offen zugeben, doch sie hatten Angst. Angst davor, was aus ihnen werden würde, wenn der Schamane nicht zu ihnen zurückkehrte.
Orks waren in solchen Themen als sehr abergläubisch bekannt und ohne eine geistige Stütze, einen Schamane beispielsweise, würden sie in heilloses Chaos stürzen. Und zu was sie dann in der Lage wären, wollte man an dieser Stelle besser nicht erläutern.

Orok derweil nickte bestätigend. Die anderen Orks verstanden. Auch sein Blick, den er nun wieder auf die umstehenden Krieger richtete sagte eigentlich nur: ‚Nicht anrühren! Sonst passieren Unglück!’. Ab und zu konnte sie erkennen, wie ein paar der Orks nervös von einem Bein auf das andere traten. Sie hielten die Spannung offenbar nicht mehr lange aus. Es musste doch bald etwas passieren. Auch Belenus wurde langsam hibbelig. Und das lag nicht nur an der aktuellen Situation sondern auch an der Gesellschaft. Immer wieder huschte sein Blick unsicher durch die Reihen der Grünhäute. Er hatte keine Ahnung, ob das Versprechen ihn mit einbezog. Vielleicht könnten die Orks schon im nächsten Moment über ihn herfallen und keiner könnte das verhindern, denn Orok wäre bestimmt nicht imstande alle zurückzudrängen, auch ein Hüne von Ork hatte seine Grenzen. Und auch weil Morg immer noch in seiner spirituellen Ohnmacht lag.

Doch einen Moment mal: zuckte da nicht die Hand des Schamanen? Auch die Finger von Laiya bewegten sich, zuerst leicht, doch dann immer mehr. Nach kurzer Zeit zuckte der gesamte Körper der Eiselfe. Ob sie nicht einen ganz großen Schrecken bekommen würde, wenn sie direkt nach dem Aufwachen feststellen musste, dass eine Horde grobschlächtiger Orks um sie herumstand und sie anstarrte? Möglich. Nur dann musste sich Belenus aber beeilen, damit sie nicht die Hälfte davon in Eisskulpturen verwandelte und sich so den Unmut der Masse zuzog. Das hatte sie nämlich auch ab und zu gebracht.

Auch der Körper des Schamanen regte sich nun mehr und mehr. Wieder verstrich einige Zeit und er schlug wieder die Augen auf. Er sah sehr erschöpft aus. Schweiß glänzte auf seiner grünen Haut, die Augen flatterten müde. So ein Ritual zerrte bestimmt enorm an der Substanz, geistig, wie auch körperlich. „Sie ist wieder unter uns. Ich musste weit gehen, um ihren Geist zurückzuholen. Sie braucht nun viel Ruhe, ebenso wie ich.“ Wie auf Kommando traten zwei der Orks vor und hievten den Schamanen in eine aufrechte Position. „Orok, du bringst die Elfe am Besten in dein Zelt. Dort kann sie sich erholen“, sprach der Schamane zu dem Hünen, bevor er zu seiner Behausung getragen wurde. Orok gehorchte, wie es sich für einen loyalen Krieger gehörte und hob die nun im Halbschlaf dämmernde Laiya hoch. „Ihr kommen mit. Ihr sein Gäste.“
Das war eine gute Idee. Zumindest mussten sie dann keine Angst haben, von wild gewordenen Orks abgeschlachtet zu werden.
Orok ging zügig durch das Lager auf eines der Zelte zu. „Dort“, meinte er knapp. Es sah zwar nicht sehr schön aus, jedoch war es sehr zweckmäßig und machte einen robusten und wetterfesten Eindruck. Es war eher spartanisch eingerichtet. Es war eine kleine Kochstelle aufgebaut und einige Felle waren als Schlafstatt vorhanden. Ansonsten standen da noch Waffen- und Rüstungsständer herum, in denen Orok wohl seine ganze Ausrüstung verstaute. Vorsichtig legte eben jener Laiya auf mehrere Felle. „Ihr können bleiben bei ihr. Wohl besser wenn sie sehen Freunde, wenn sie erwachen tut“, brummte der Ork nachdenklich, sah dann aber noch einmal zu Marga hinüber. „Wir Unterricht in Orkisch nachholen. Jetzt ihr euch kümmern müssen um eure Freundin.“ Er grinste breit.
Dann verließ er das Zelt. Zurück blieb eine etwas seltsame Stimmung. Was hatte das Grinsen nur zu bedeuten?

Erleichtert atmete der Elf aus. „Immerhin hat der Schamane seinen Teil eingehalten.“ Mehr zu sich selbst flüsterte er: „Ich habe endlich richtige Orks getroffen. Sie sind nicht so schlimm, wie sie immer dargestellt werden.“ Er war froh und erleichtert. Von draußen kamen einige Gesprächsfetzen herein. Offenbar hatte Orok damit begonnen, die anderen wieder zum Bestatten anzutreiben.
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Re: Auf den Spuren des Vaters

Beitrag von Marga » Sonntag 5. Dezember 2010, 15:19

Die Orks blieben ruhig, offensichtlich hatten sie Margas Erklärung verstanden. Sie waren sogar starr und reglos, obwohl es nichts ausgemacht hätte, wenn sie Saltos und Purzelbäume geschlagen hatten.
Marga fragte sich, wohl wie lange dieser Kampf andauern mochte, Stunden, Tage? Immerhin war es ein Kampf im Traum und wenn man träumte, dann war man in irgendeinem fremden, seltsamen Land und das konnte ganz schön groß sein und außerdem konnte man selbst in langen Nächten kurze Träume haben.
Bevor sie sich überhaupt richtig Gedanken machen konnte, rührte sich jedoch schon der Schamane und kurz darauf auch Laiya. Marga ging nach vorne und zog Belenus mit sich. Natürlich halbierte sie nur den Abstand zur Eiselfin, denn sie wollte selbst nicht gegen ihre eigenen Befehle verstoßen. Aber ein paar vertraute Gesichter konnten für die Meisterin beruhigend sein.

Sie konnte beobachten wie Leben in beide Körper kam und die rituelle Handlung offensichtlich vorbei war. Sie fragte sich, wie der Kampf wohl ausgesehen hatte. Immerhin hatte der Schamane keine Waffe mitgenommen (oder hatte er sich im Traum einfach eine besorgt?). Und außerdem hatte sie keine Ahnung, wie der Gegner darin aussah.
Der Schamane, der nun wieder wach war, aber ziemlich ausgelaugt, erklärte, dass er Erfolg gehabt hatte. Margas Miene verriet einen Hauch Erleichterung. Bald konnten die Übungen wieder aufgenommen werden. Bestimmt würden ihre Fertigkeiten wachsen und die nächsten Abenteuer wären dann kinderleicht.

Dennoch wachte Laiya nicht auf, sie rührte zwar sich dämmernd, aber nahm noch nichts von der Umgebung wahr. Morg Wolfsong erklärte, dass die Elfe noch Ruhe brauchte und diese in Oroks Zelt bekommen solle.
Die Schülerin folgte dem Ork, der Laiya zu seinem Zelt trug, und obwohl es sie störte, dass ihre Meisterin schon so lange geschlafen hatte und jetzt trotzdem noch Ruhe benötigte, ertrug sie ihr Schicksal mit Geduld und Disziplin.

Das Zelt des Kriegers ähnelte seinen Besitzer: Nicht unbedingt eine Augenweide, aber nützlich und stabil. Die Plane war nicht etwa aus Stoff, sondern aus groben zusammengenähten Leder, dessen Oberfläche eingefettet war, damit das Wasser einfach abperlte, sollte es einmal regnen. Bei Regen schloss man außerdem die Öffnung für den Rauch vom Feuer mit einem angenähten Lederflicken.
Im Inneren war das Zelt nur mit dem notwendigsten ausgestattet, Feuer, Schlafstätte, Ausrüstung. Laiya wurde auf die Felle gelegt und Orok verabschiedete sich schon. Eigentlich hätte Marga ihn gerne begleitet, jetzt, nachdem keine Gefahr mehr drohte, aber wieder musste sie die Einlösung ihres Versprechens nach hinten verschieben – ärgerlicherweise. Wenn Laiya nämlich unverzüglich weiterzureisen gedachte, wie sollte Marga das dann ihrer Meisterin erklären…
Belenus kümmerte sich um seine Freundin, während Marga sich umschaute und die Waffen anschaute. Sie wagte es nicht, etwas anzufassen, weil Orlo, ihr Ziehvater, ihr einst weiß gemacht hatte, dass Angucken nur mit den Augen passierte, nicht mit den Fingern. Außerdem könnte ja ein schweres Schwert und eine Streitaxt ihr aus den Händen gleiten und einen ihrer Füße spalten.
Der Waldelf redete über die Orks und Marga machte ihre eigenen Gedanken. Natürlich waren der Schamane und Orok bewunderungswert, aber der Rest? Irgendwie wie kleine Kinder, muskelbepackte, grimmige, kampferfahrene, große kleine Kinder. Bekamen Muffensausen, wenn ihr großer Papa mal ein paar Minuten aussetzte.
„Orks ganz in Ordnung.“, kommentierte Marga, „Aber hier sein nix Frauen von ihnen.“

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Re: Auf den Spuren des Vaters

Beitrag von Gestalt » Montag 13. Dezember 2010, 18:32

Inzwischen hatte sich die Aufregung etwas gelegt, sodass sich alle Beteiligten erst mal etwas ausruhen konnten. Belenus kümmerte sich immer noch um Laiya, während Marga das Zelt inspizierte. Sie scheute vor einer Berührung was die Waffen anbelangte, zurück, da eine unkluge Handhabung schmerzhafte Folgen gehabt hätte. Also ließ sie es bleiben, denn Orok würde es sicherlich nicht mögen, wenn sich jemand an seinen Waffen vergriff. Krieger waren, was ihre Waffen betraf, so empfindlich wie Priester.

Wie gerne wäre sie mit dem großen Ork mitgegangen, vor allem um noch mehr über das Orkvolk zu erfahren und um sich den Rest des Lagers anzuschauen. Sie teilte Belenus noch mit, dass sie bisher keine Frauen hier gesehen hatte. Der Elf runzelte nachdenklich die Stirn. „Hm…das ist schon mehr als seltsam. So wie die aussehen, hab ich den Eindruck, dass es sich um eine Söldnergruppe handelt“, meinte Belenus nachdenklich.
Das wusste die Schülerin ja schon: Orok hatte ihr das schon gesagt, bereitwillig. Er sagte auch, dass sie eigentlich im Dienst der Dunklen Armee standen, doch schienen sie die Anweisungen der Dunkelelfen nicht ganz Ernst zu nehmen, da sie die dunklen Elfen verabscheuten. Dem Anschein nach war der Schamane ein echter Könner, was Gehorsam vorheucheln betraf.

Marga dachte inzwischen über die Orks nach: sie waren, ohne geistige Führung, praktisch große, muskulöse, Waffenstarrende Kinder. Wäre sie sehr sarkastisch gewesen, hätte sie laut losgelacht, doch sie hielt sich zurück. Das einzige Sorgenkind in ihrer Mitte war Laiya. Zu lange lag sie schon in dem Schlaf, doch jetzt schien sie endlich aufzuwachen, denn ihre Augenlider flatterten nun vermehrt, bis sie schließlich die Augen öffnete.

„Belenus? Was…wo bin ich?“, flüsterte sie leise. „Keine Sorge, du bist in Sicherheit. Alles ist gut.“ Belenus hätte nun vor Glück einfach aufschreien können, doch er ließ es bleiben. Stattdessen umarmte er seine lange abwesende Gefährtin. Diese wandte sich nun Marga zu. „Was ist passiert?“ Sie war neugierig auf das, was sie verpasst hatte. Schließlich erzählte Belenus ihr von der erfolgreichen Flucht vor ihren Brüdern. Gerade als er von der Stelle, an der sie die Orks kennen gelernt hatten, kommen wollte, betrat auch Orok schon das Zelt. Laiya riss erschrocken die Augen auf, einen Ork hatte sie noch nie in natura und so nah gesehen. „Wuhaa! Wer ist das denn?“, rief sie erschrocken und klammerte sich an Belenus, der durch das zusätzliche und überraschende Zusatzgewicht fast nach hinten in die Felle gekippt wäre.

„Hm…kleine Frau sein wach. Gut!“, bemerkte er knapp. Die Eismagierin sah darauf ihren Begleiter irritiert an. „Was hat das zu bedeuten?“ „Ähm…ich…ähm…“, stammelte der Elf. Ihm war nicht wohl bei der Sache.
„Rede nicht so verstümmelt, sondern deutlich!“ Ihre Stimme klang trotz allem was passiert war, immer noch herrisch und eisig.
Der Elf holte tief Luft und setzte nochmals an, diesmal bedachter und überlegter: „Also: wir haben versucht dich wieder wach zu bekommen, doch mit normalen Mitteln war das nicht möglich. Wir trafen auf diese Orks und ihr Schamane hat dich mit Magie wieder zurückgeholt.“ Seine Erzählung klärte Laiya über die Geschehnisse auf, die sie verpasst hatte.

„Soso. Und wer sagt uns, dass uns die nicht einfach abschlachten? Hm?“, meinte sie nur, mit verschränkten Armen. Belenus deutete auf die Schülerin und sagte: „Sie hat eine Abmachung mit den Orks getroffen. Sie tun uns nichts, wenn wir ihnen helfen. Bei was wir ihnen helfen sollen, das muss uns Marga erklären.“

Orok musterte die kleine und zierliche Frau, die da energisch auf den Fellen saß und mit einer Mischung aus Verwunderung und Trotz zu dem Ork hinauf sah.
Dann wandte er sich an Marga: „Kommen mit. Du wollen doch sicher wissen, wie Orks leben, nicht wahr?“
Belenus nickte ihr zu. „Geh ruhig. Wir kommen klar.“ Nur hoffte er, dass seine Gefährtin sich auch daran hielt, vor allem daran, die Orks nicht zu provozieren, denn sonst würde sie wieder in eine Art Traumwelt fallen, diesmal unter Zuhilfenahme eines Knüppels oder etwas anderes derartiges.

Nun konnte sich Marga entscheiden: sollte sie mit Orok mitgehen oder doch noch ablehnen und bei ihren Freunden bleiben? Die Wahl lag bei ihr.
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